Mit ihren beiden neuen Single-Auskoppelungen "Shotgun" (seit einer Woche on Air) und "frmdghn"  (heute veröffentlicht) begeben sich Paul Pizzera und Otto Jaus tief ins Reich der Erwachsenenmusik. Beide Lieder - respektive die Videos dazu - sind auf ihre Weise nicht jugendfrei.

Bei "Shotgun" sind es allerdings nur ein paar Zeilen mitten im Liedtext, die vielen Hörern im Radio vielleicht gar nicht auffallen werden. Denn in ihrer musikalisch härtesten Nummer seit "Hooligans" rappen Pizzera ud Jaus zum Beispiel: "Des is ka Rocksong - des is a motherf*** Shotgun." Und dann gibt es noch die eine Zeile, die zeigt, wie man einen Song richtig vermarktet. Ausgehend von der Phrase "Ihr wollt wieder fette Beats, wo ihr niederkniet wie Riley Reid" wurde besagte Dame, bei der es sich um einen mehrfach ausgezeichneten US-Pornostar handelt, tatsächlich für das Video engagiert. Darin allerdings tanzt sie züchtig im "Pizzera & Jaus"-Fanleiberl. Ungeachtet der vielleicht bei manchen männlichen Fans nicht erfüllten Erwartungen hat das Youtube-Video binnen einer Woche mehr als 160.000 Clicks erreicht. Wohl auch, weil musikalisch alle Erwartungen sehr wohl erfüllt werden: Die "fetten Beats" bekommt man hier wirklich.

Qualvoll, aber humoristisch gemeint

Die soeben veröffentlichte Single "frmdghn" wiederum kommt zwar textmäßig tiefschwarz ironisch, aber melodisch vergleichsweise sanft daher. Von den Fans wurde "frmdghn" ebenso euphorisch aufgenommen wie "Shotgun". Das Youtube-Video dazu hat es allerdings in sich und bereits Minuten nach dem Online-Stellen für helle Aufregung unter den Fans gesorgt. Während manche Männer über einen "harten Dreh" witzelten, fragten vor allem Frauen, ob so viel Brutalität wirklich sein muss.

Warum? Weil die beiden Musiker (beide privat in einer Beziehung und Jaus seit vorigem Jahr Vater) in ihrem Lied, das sich - richtig! - ums Fremdgehen dreht, der Freundin erklären, warum sie sexuelle Abwechslung brauchen, während sie im Video von zwei Frauen gequält werden. Und zwar so richtig gefoltert, wobei der Elektroschock noch das Harmloseste ist. 

Was es mit dem Lied auf sich hat, erklärt Pizzera im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" so: "Wir wollten in dieser augenzwinkernden Spaßnummer ein Thema beleuchten, das immer noch tabuisiert wird, obwohl es allgegenwärtig ist. Es ist doch fast jeder von uns schon einmal betrogen worden oder hat betrogen." Und verletzte Gefühle hin oder her: Man soll ruhig auch ein bisschen darüber lachen und sich selbst nicht allzu ernst nehmen, meint Pizzera, der im Corona-Lockdown auch ein Buch über Beziehungen geschrieben hat ("Der hippokratische Neid").

"Eine Hommage an das waagrechte Schwitzen in die Menge"

Und worum geht es in "Shotgun"? Nun, das Lied nennt Pizzera "eine Hommage an das waagrechte Schwitzen in die Menge und ein sehnsüchtiger Appell, dass wir endlich wieder für unsere Leute spielen und das Leben mit ihnen feiern und zelebrieren wollen". Das Video dazu besteht zu einem großen Teil aus Aufnahmen vom Donauinselfest. Die Botschaft an die Fanbase ist klar: "Wir wollen das bald wieder mit euch erleben!" Der Frage nach Reids Engagement (die Textzeile war vorher da) weicht Pizzera übrigens am Telefon aus und meint nur schmunzelnd: "Sie hat wirklich keine Kosten und Mühen gescheut, damit sie bei uns im Video mitmachen darf."

Wobei fraglich ist, ob jene, die den Song im Radio hören und den Pressetext nicht gelesen haben, den Gag mit dem Pornostar überhaupt mitbekommen. Denn beim ersten Hinhören versteht man bei dem Lied nur den halben Text. "Es ist auch ein bisschen ein Stilmittel, dass es sehr viel, auch schneller Text ist," meint Pizzera dazu, "dass man es sich mehrmals anhören muss, wenn man will. Ein bisschen mit Überforderung zu arbeiten, ist nie ein Fehler. Es ist ein schnelles, musikalisches Geschoss, das man sich mehrmals zur Gemüte führen muss oder kann, um es ganzheitlich zu verstehen."

Streamingdienste haben Geschäftsmodelle verändert

Angesichts dieser ersten beiden Single-Auskoppelungen darf man gespannt sein, was Pizzera & Jaus sonst noch so aufs nächste Album packen, das fast fertig ist, aber erst im Herbst erscheinen soll. Dann nämlich, wenn auch wieder große Live-Konzerte (hoffentlich) möglich sind, um die CD persönlich zu promoten. "Wir wollen es zu einem Zeitpunkt herausbringen, wo man die CD auch direkt nach einem Konzert erwerben kann." Die musikalische "Shotgun" dafür ist jedenfalls geladen und bereit, betont Pizzera. Bis dahin könnten noch ein paar Single-Auskoppelungen und Youtube-Videos folgen, um die Fans bei Laune zu halten.

Apropos: Mit den Streamingdiensten - Pizzera & Jaus haben es auch mit einem eigenen Stream probiert - haben sich auch die Geschäftsmodelle für Berufsmusiker verändert. Geld verdienen sie heute vor allem mit Live-Konzerten und weniger mit Tonträgern. Dass der Content etwa auf Youtube für die Konsumenten gratis ist, damit müsse man leben, meint Pizzera. "Es ist wie eine digitale Visitenkarte, die man hinterlässt. Und was wir mit den Videos nicht verdienen, steht nicht in Relation dazu, wie viele unbekanntere Künstlerinnen und Künstler sich durch Youtube einer breiten Öffentlichkeit präsentieren können. Das ist schon in Ordnung so."

Otto Jaus und Paul Pizzera wollen endlich wieder Live-Konzerte erleben. - © Ulrike_Rauch
Otto Jaus und Paul Pizzera wollen endlich wieder Live-Konzerte erleben. - © Ulrike_Rauch

Die Sozialen Medien hat Pizzera jedenfalls in den Lockdowns intensiv genutzt. Und dabei auch drei Lehren aus dem Pandemiejahr gezogen: "Dass ich auch ohne Applaus gut leben kann, dass ich bei weitem nicht so gut kochen kann, wie ich geglaubt habe, und dass alles weitergeht, wenn man den positiven Glauben nicht verliert." Bleibt nur noch die Frage, was er früher erleben wird: das erste Bühnenkonzert mit tausenden Fans nach den Lockdowns oder seinen traditionellen Sommerurlaub auf Kreta.