"Also jetzt mal ganz spekulativ / Angenommen, ich schriebe mal ein Lied": Mit der Auftaktsingle seines nun vorliegenden neuen Albums "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt" (Antilopen Geldwäsche/Warner) ist Daniel Pongratz alias Danger Dan zuletzt ein hübscher Aufreger gelungen. Der viel diskutierte Song markierte nicht nur die persönliche Neupositionierung des 1983 in Aachen geborenen Musikers als Liedermacher am Klavier. Jahrelang als Rapper im Verbund mit seiner Antilopen Gang bereits zwischen erhöhtem Schabernack und politischem Ernst aktiv, wurde der Mann auf einmal auch im Alleingang für die Wiederkehr des politischen Liedes in der Tradition von Georg Kreisler, Randy Newman oder Rio Reiser verantwortlich gemacht. Dabei hätte man in den letzten beiden Jahrzehnten einfach auch einmal in das Werk seines Landsmannes Rainald Grebe hineinhören können.

Bei Danger Dan jedenfalls wurde die rechtliche Grauzone des Erlaubten problematisiert, juristisch gut abgesichert unter Rückgriff auf den Konjunktiv: Die Frage, ob man etwa den AfD-Politiker Alexander Gauland als Nationalsozialisten bezeichnen darf, war dabei im direkten Umkehrschluss als geschicktes Spiel mit der grassierenden "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen"-Mentalität zu verstehen. Wobei der dezidiert links und immer auch anti-rechts gesetzte Fokus des Songs problematische Aspekte der Meinungsfreiheit im eigenen Lager - Stichwort Cancel Culture - bequem ausblenden konnte und mit Zeilen wie "Und wenn du friedlich gegen die Gewalt nicht ankommen kannst / Ist das letzte Mittel, das uns allen bleibt, Militanz" bewusst polarisierte.

Dabei beweist Danger Dan mit seinen elf neuen Songs, dass er nur zu einer einzigen Waffe greift - der Feder, die nach wie vor mächtiger ist als das Schwert. Außerdem hört man am Ende ein Plädoyer für die Menschlichkeit, das nicht zuletzt von eigenen Verwundungen her rühren dürfte. Im Gegensatz zu den Klischees des Dicke-Hose-Raps aus dem sozialen Brennpunkt präsentierten sich bereits auch die Mitglieder der Antilopen Gang als Männer, die Gefühle zeigen.

Existenzielle Botschaft

Albumcover "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt".
Albumcover "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt".

Selbstverständlich dürfen neue Stücke wie "Ich verprügelte die Sextouristen in Bangkok", "Ode an den Mord" oder "Topf und Deckel" über, nun ja, sehr ungleiche Paare in erster Linie albern sein, wenn Danger Dan nicht gerade den Wahnsinn einer Demonstration von Corona-Leugnern in Berlin dokumentiert ("Das schreckliche Buch") oder eine alte Rechnung mit seinem ehemaligen Gymnasium begleicht ("Ingloria Victoria"). Die sogenannte Bildungsanstalt rühmte sich zwar öffentlich mit ihrem ehemaligen Schüler, erwies sich diesem gegenüber einst aber als erheblicher "Repressalien-Apparat". Schön auch das Rätseln über diverse Textbanalitäten wie "Beginne jeden Tag mit einem Lächeln / Dann lächelt jeder Tag zu dir zurück", ehe diese von einer Art Drill Sergeant, dem der Kamm schwillt, gedoppelt werden. Zu viel Lebensberatungslyrik macht definitiv aggressiv!

Dabei überzeugt Danger Dan nicht zuletzt am anderen Ende des Gefühlsspektrums. Der Song "Eine gute Nachricht" öffnet die Herzen mit sanftem Pathos und hübschen Streichern - und rührt angesichts seiner existenziellen Botschaft tatsächlich zu Tränen: "Ich hab ’ne gute Nachricht und ’ne schlechte auch / Zuerst die schlechte: Wir zerfallen zu Staub (...) / Und jetzt die gute: Heute nicht / Es bleibt noch Zeit für dich und mich."

Gefilmt wurde das begleitende Musikvideo übrigens im Museum für Naturkunde Berlin zwischen Tierpräparaten und in Formaldehyd eingelegten Organen.