Bis zu diesem Album hat es angeblich knapp 40 Jahre gedauert. So lange bestand die künstlerische Beziehung und persönliche Freundschaft zwischen Daniel Miller und Gareth Jones bereits, als schließlich die Frage im Raum stand: "Are we actually going to make a record together before we die?"

Seinen bis heute nachwirkenden musikalischen Einstand gab Daniel Miller unter seinem Pseudonym The Normal 1978 mit maschinell pluckernden Stücken wie "T.V.O.D." und dem auf der, nun ja, "Autoerotik" von J. G. Ballards Roman "Crash" basierenden "Warm Leatherette". Bedeutsame Spuren hinterließ der 1951 in London geborene Autodidakt vor allem aber auch als Gründer des einflussreichen Labels Mute Records. Die lebenslange Zusammenarbeit mit Depeche Mode führte schließlich auch zur Begegnung mit Jones, der sich als Produzent und Toningenieur außerdem für Bands wie Einstürzende Neubauten oder Wire verdingte.

Es flirrt und brummt

Albumcover - © Parallel Series / Mute
Albumcover - © Parallel Series / Mute

Gemeinsam entstanden ab 1997 lose Remixes unter dem Alias Sunroof. Wobei sich der Projektname für das nun also vorliegende Gemeinschaftsalbum mit dem programmatischen Titel "Electronic Music Improvisations Volume 1" (Parallel Series/Mute) als ambivalent erweist. Immerhin klingen die Ergebnisse nicht selten eher unwirtlich und kalt wie eine Sternenreise durch den Orbit. Es flirrt, surrt, fiepst und brummt erheblich und erinnert dabei an den alten Punk-Gedanken des Do-it-yourself, der bei Daniel Miller bereits ursprünglich nicht mit Gitarren, sondern unter Zuhilfenahme von Synthesizern ausgelebt wurde.

Für die acht neuen Stücke wurde nun mit dem Steck- und Kabelsalat von Modularsystemen experimentiert, deren unbegrenzten Möglichkeiten das Duo mit Selbstbeschränkung begegnete. Das klingt bisweilen, als würde gerade ein altes 56k-Modem durchschmoren. Und es wurzelt ästhetisch nicht zuletzt in der Urzeit der elektronischen Musik, wie wir sie heute kennen: Der (Schalt-)Kreis schließt sich.