Annie Clark, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen St. Vincent, kehrt nach vier Jahren Veröffentlichungspause auf die öffentliche Bühne zurück. Das Album "Daddy’s Home" fährt mit viel Glamour und noch mehr Raffinesse auf. Wie gekonnt und stilsicher die in Tulsa geborene und jetzt in Los Angeles und New York lebende Singer-Songwriterin und Multiins-trumentalistin Eklektizismus, Eleganz und Lässigkeit miteinander verknüpft, soll ihr erst einmal eine(r) nachmachen.

Produziert von Jack Antonoff, beeindruckt die rundum gelungene Spieldreiviertelstunde mit ihrer Stilvielfalt - Funk, Rock, Soul, Jazz, Folk und Artpop verschmelzen zu einem warmen, eingängigen und mitreißenden Sound - sowie mit ihrer inhaltlichen Stringenz.

Während das Klangbild stark in die 1970er Jahre verweist und neben hibbeligen Funk-Grooves, schmissigen Soul-Chören, pulsierenden Rhythmen und schwelgerischen Melodien auch samtene Gitarrenakkorde und wabernde Synthietexturen beinhaltet, erzählt Annie Clark in ihren Texten Geschichten von Außenseitern, vom Weitermachen, vom Changieren zwischen Würde und reinem Überleben - zwingend, empathisch und ohne moralische Bewertung.

Die Stadt New York, besser gesagt das New York der 70er Jahre, dient ihr dabei als Folie für die kulturellen und wirtschaftlichen Umwälzungen und ein kollektives Gefühl der Ungewissheit. Zwischen "Pay Your Way In Pain" mit der Bowie-Anmutung ("Fame"), "Down And Out Downtown" mit Sitar-Klängen , dem hymnischen "My Baby Wants A Baby", bei dem geschmeidige Wurlitzer-Klänge auf Bläser-Interventionen treffen, und "Somebody Like Me" mit einem von sanften Streicherklängen unterstützten Folk- und Country-Einschlag hört man lauter kleine Meisterwerke. Ganz zu schweigen von "The Melting Of The Sun", einer Ode an das Schaffen bedeutender Künstlerinnen wie Tori Amos, Nina Simone, Joni Mitchell und Marilyn Monroe. Tolles Album. Großartige Künstlerin.