Der erratische Dean Blunt auf einem zu seiner Kunst passenden Pressefoto. 
- © Rough Trade Records

Der erratische Dean Blunt auf einem zu seiner Kunst passenden Pressefoto.

- © Rough Trade Records

Wahrscheinlich sollte man nicht so weit gehen, Dean Blunt als den Thomas Pynchon seiner Zunft zu bezeichnen. Immerhin existiert zumindest das eine oder andere aktuelle Foto, auf dem man den Mann mit etwas gutem Willen erkennen könnte. Man müsste dazu nur sein inneres Photoshop aktivieren und mit dem geistigen Auge durch den rauschenden Pixelwald steuern.

Geisterbeschwörung

Allerdings passt die, nun ja, erratische Note in Auftritt und Inszenierung, die auch bedeuten kann, dass der britische Musiker schon einmal seinen Bodyguard stellvertretend für sich selbst zu einer Preisverleihung schickt, ganz hervorragend zum Werk.

Egal ob solo unter eigenem Namen, als halbanonymisierte Ich-AG (Babyfather, Blue Iverson) oder mit Inga Copeland als gefeiertes Duo Hype Williams, auch der Output des in London ansässigen Produzenten bleibt schwer bis un-fassbar. Nicht zuletzt der vom französischen Philosophen Jacques Derrida geprägte und ab Mitte der Nullerjahre von britischen Kritikern wie Mark Fisher und Simon Reynolds in die Pop-Avantgarde überführte Begriff der Hauntology charakterisierte ihn in seinen Wurzeln als spurenverwischendes Bedroom-Erzeugnis mit gespensternder Wirkung: eine musikalische Geisterbeschwörung mit großem Fragezeichen.

Auf seinem nun ohne Vorankündigung und weitere Infos veröffentlichten Nachfolger zu "Black Metal" von 2014 zeigt sich Dean Blunt aber überraschenderweise greifbar wie selten. Auf "Black Metal 2" (Rough Trade Records) und seinen zehn in nur 23 Minuten gereichten Miniaturen hört man musikalischen Nachtschattengewächsen beim Blühen im Dunklen zu.

Maximaler Minimalismus

Mit schwebenden Streicherschlieren, behäbigen Beats, mäandernden Flanger-Gitarren, den verführerischen Musengesängen von Joanne Robertson und einem Protagonisten, der bekifft in den Seilen hängt, erinnert das heute nicht zuletzt an die Kunst von Archy Marshall alias King Krule.

Am Ende wird es beinahe noch feierlich. Davor, dazwischen und per Repeat-Taste danach ist es vor allem aber der maximale Minimalismus, der den Ton dominiert.