Womöglich bestand die Idee hinter dem Musikvideo von "Bad Habits" auch darin, Michael Jacksons "Thriller" von 1983 für eine neue Generation an Musikhörenden zu adaptieren, die Michael Jacksons "Thriller" (und überhaupt Michael Jackson!) nur mehr vom Hörensagen kennt. Ed Sheeran jedenfalls geht darin als dramatisch geschminkter Untoter um, der eine nicht auf positiven Gefühlen basierende Massenpanik auslöst. Er trägt schwarzen Nagellack und die obere Zahnpartie von Graf Dracula, mit der dieser in seinem Hauptberuf als Blutsauger besser vorankommt. Sowohl bei Dracula als auch bei Ed Sheeran besteht die Zielgruppe aus jungen Frauen.

Die Inszenierung des Sängers und Songwriters bei seiner Rückkehr ins Geschäft ist also neu. Angst und Schrecken verbreitete der heute 30-Jährige bisher - und zuletzt 2019 auf seinem Album "No.6 Collaborations Project" - eigentlich nur mit den Mitteln der Musik. Das gelingt ihm heute zwar auch wieder. Allerdings klingt "Bad Habits" in seinen 3:51 Spielminuten schlicht zu banal, um uns deshalb auch schlecht schlafen zu lassen.

Zu Staub zerbröselt

Die stilistische Neuheit der mit Johnny McDaid von der britischen Band Snow Patrol und dem Songwriter und Produzenten Fred Gibson alias Fred Again geschriebenen Single ist übrigens ein althergebrachter EDM-Beat. Ed Sheeran lässt einmal mehr also seine "Gabe" walten, musikalisch nach Zahlen zu malen und künstlerisch, sprich kommerziell, nur kein Risiko einzugehen.

Auch eine Partnerschaft mit der Kurzvideo-Plattform TikTok setzt derzeit auf Gewinnmaximierung. Die Konjunkturspritze nach eineinhalb Jahren Pandemie steht im Kontrast zum derzeit nur vermuteten Titel eines wahrscheinlichen neuen Albums: Nach "+" (2011), "x" (2014) und "÷" (2017) wäre nun eigentlich das sowohl in der Wirtschaft als auch im Showgeschäft äußerst unbeliebte Minus an der Reihe.

Am Ende des Musikvideos macht übrigens der Tagesanbruch den "Bad Habits" ein Ende. Schock! Ed Sheeran ist wieder er selbst - und der Song bereits zu Staub zerbröselt.