"Pigalle", "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett", "Zuckerpuppe", "Schokoladeneisverkäufer": Wer im deutschsprachigen Raum der Nachkriegszeit aufwuchs, der kam an den Hits des Bill Ramsey schlicht nicht vorbei. Und selbst die nachfolgende Generation hat ihn noch kennengelernt - als fröhlichen Rauschebart, der mit unkaputtbaren Evergreens und unverkennbarem US-Akzent durch die TV-Shows tingelte. Nun ist Bill Ramseys Stimme verstummt: Der Musiker ist im Alter von 90 Jahren in seiner Wahlheimat Deutschland verstorben.

Geboren in Cincinatti, Ohio, kam der Sohn einer Lehrerin und eines PR-Mannes früh mit dem Jazz in Berührung und sang bereits in seiner Jugend in einer College-Tanzband. Niemand geringerer als Ella Fitzgerald, so erzählte es Ramsey, habe ihn mit dem Kompliment bedacht: "Wer dich nur hört, denkt, Du bist schwarz."

1952 landete der Jazzfan als US-Soldat in Frankfurt, wo er sich beim US-Militärsender AFN ganz der Musik widmen durfte. Zum Schlüsselereignis wurde eine Begegnung 1954 mit dem deutschen Musikproduzenten Heinz Gietz. Dieser brachte Ramsey zunächst beim Film unter; nach einigen Erfolgen fragte er den Amerikaner, ob der auch eine Platte machen wolle, und bot ihm als Alternativen entweder Rock’n‘Roll oder "etwas Lustiges"." Ramsey entschied sich für das Letztgenannte, die Folgen sind gewissermaßen Popgeschichte: Seine Hits schwärmten davon, wie süß der Speck in einer gewissen Pariser Mäusefalle namens Pigalle schmeckt, warum die lesesüchtige Mimi jeden Klassiker für einen Krimi liegen lässt und dass es - Wumba, Tumba! - Schokoladeneisverkäufer von anderen Sternen gibt. Das alles verfolgte zwar keinen volksbildnerischen Anspruch, vermittelte in den Nachkriegsjahren aber die dringend benötigte Heiterkeit.

So plötzlich der Schlagererfolg da war, so schnell ebbte er aber wieder ab. Schon wenige Jahre nach seinen Hits formulierte Ramsey den Wunsch, "endlich einmal ohne Grimassen akzeptiert" zu werden - und produzierte mit Paul Kuhn am Klavier Mitte der 60er eine Bluesplatte. Für Ramsey wurde dieses Album zu einer Wegscheide: Von da an nahm er keine Schlager, sondern fast ausschließlich Lieder in seiner Muttersprache Englisch auf, produzierte fast nur noch Jazz und Blues und gastierte mit diesem Repertoire später auch regelmäßig im Wiener Jazzland. Gleichzeitig schloss er aber auch nie endgültig mit der leichten Unterhaltung ab, sondern wurde mit seinen Evergreens Dauergast in den TV-Shows. Am vorigen Freitag ist jener Mann, der die deutsch-amerikanische Freundschaft wie kaum ein anderer verkörperte, in Hamburg verstorben.(irr/apa)