Wenn Jazzer an großformatigen Partituren schreiben, führt der Ehrgeiz nicht immer zum erhofften Opus magnum: Das Ergebnis klingt oft mehr nach Noten als nach Musik. Ralph Mothwurf, Jazzmusiker und Komponist (ausgebildet unter anderem vom Grenzgänger Christoph Cech), beherrscht das Fach dagegen ziemlich souverän. Der Linzer bringt die insgesamt 22 Musiker seines "Orchestras" mit raffinierten Rhythmen in Schwung, die von den Errungenschaften des Modern Jazz zehren; seine freitonalen Linien und Soundeffekte zeugen wiederum von Kompetenz im Avantgarde-Bereich.

Ein sinnlicher Mix - auch weil die Klangfarben dieser Bigband kurzweilig wechseln und Kaliber wie Vincent Pongracz, Martin Eberle und Astrid Wiesinger inbrünstige Solos bestreiten. Am zwingendsten wohl das eröffnende "Pferd": ein Zehnminüter, dessen Spannungsaufbau, komplexer Puls und schillernde Harmonien an Orchestermusik von John Adams denken lassen.