Sollte ein Preis für den wunderlichsten CD-Titel ausgelobt werden, käme Francesca Gaza in die engere Wahl. "Kugelförmigkeit" heißt das Album der jungen Deutsch-Italienerin. Dabei hat der Titel kaum etwas mit den Barockwesen auf dem Cover zu tun, sondern viel mehr mit einem Sager des Komponisten Bernd Alois Zimmermann (1918-1970). Der erfand das Konzept von der "Kugelförmigkeit der Zeit", um die Musikstile der Vergangenheit wie Nachbarn zu behandeln.

Dieses Ziel verfolgt auch die singende Komponistin Gaza, und sie gelangt mit ihrem exotisch besetzten Ensemble zu erstaunlichen Gemengelagen aus Barock-Sound, avancierten Pop-Momenten, Jazzharmonien und modernen Dissonanzen. Bedächtig im Tempo, weben Barockflöte, Cembalo und Theorbe delikate Klangteppiche, auf denen Gazas Stimme bisweilen eine Art Song anstimmt, bisweilen aber auch nur eine Melodie einbringt, die sich instrumental fortspinnt. Erstaunlich: Erwartbar ist in diesen tönenden Vexierspielen allein das Unerwartete - und eine sanfte Eleganz, dank der selbst schroffe Stil-Sprünge wie geschmeidige Schritte wirken.