Es ist vielleicht ein letztes Relikt der historisch überholten Konnotation von Pop als Jugendkultur, wenn man sich aus einem angestammten Reflex heraus wundert, dass jetzt "schon" die Kinder großer Musiker an die Rampe drängen. Der ebenso wie sein Vater Tim früh verstorbene Jeff Buckley ist seinerseits bereits Geschichte. Andere werden vermutlich nie richtig aus den Schatten der Senioren herauskommen, wie Bob Dylans Sohn Jakob als Frontmann der Wallflowers oder der Songpoet Adam Cohen als Spross des großen Leonard Cohen.

Ziggy, Stephen und Damian Marley konnten ebenso wenig die Fußstapfen ihres Vaters Bob Marley ausfüllen wie im Falle John Lennons und Paul McCartneys deren Söhne Julian und Sean Lennon bzw. James McCartney. Ein etwas besseres Standing haben da George Harrisons Sohn Dhani und Ringo Starrs Sohn Zak Starkey als gefragter Drummer für The Who, Oasis u.a. Auch Jason Bonham hat wie sein verstorbener Vater John Bonham am Schlagzeug Platz genommen und vertrat diesen folgerichtig beim einmaligen Reunionskonzert von Led Zeppelin 2007 in der O2 Arena in London.

Es gibt durchaus auch Nachkommen, die die Altvorderen an Ruhm übertreffen: Während ihr Vater Billy Ray Cyrus mit seinem dämlichen Country-Hit "Achy Breaky Heart" eine Eintagsfliege blieb, hält sich seine als "leichtgewichtiges Pop-Sternchen" abgekanzelte Tochter Miley nach wie vor gut im Geschäft. Rufus Wainwright hat mit seinem Pathos-Pop längst seine Eltern, den sarkastischen Songwriter Laudon Wainwright III. und die Folksängerin Kate McGarrigle, ausgebremst.

Wo sich Louis Forster als Sohn des großen Sängers und Gitarristen Robert Forster positionieren wird, bleibt abzuwarten. Was die Breitenwirkung angeht, liegt die Latte für ihn nicht allzu hoch, denn sein Vater hat weder als prägender Teil der legendären Go-Betweens noch als Solist je viele Platten verkauft, und wenn er ausgeht, erkennen ihn vielleicht zwei, drei Leute, wie er dem Autor dieser Zeilen einmal erzählte. Ganz anders ist das mit der Reputation und den Ansprüchen der Kritiker, denn die Go-Betweens waren bekanntlich eine "beste Band der Welt".

Jedenfalls hält sich der Filius mit seiner Formation The Goon Sax diesbezüglich nicht schlecht. Zwei Alben haben Forster (Gitarre, Bass), James Harrison (detto) und Riley Jones (Drums), die alle singen, schreiben und aus Brisbane stammen, seit 2016 zum kollektiven Wohlgefallen der Indie-Klientel eingespielt. Dass ihr animierter Pop-Rock, der inhaltlich gleichermaßen über die Welt staunen wie Beziehungen als Gefahrenzone begreifen kann, allerdings immer Vergleiche mit den Go-Betweens evoziert hat, war buchstäblich naheliegend, aber wohl nur bedingt hilfreich.

Jedenfalls ist das neue Goon-Sax-Album "Mirror II" deutlich von stilistischem Expansionsdrang befeuert. Vielleicht etwas gar viel von vielem zu wollen, ist potentiell sogar der einzige kleine Makel, den man der mehr als nur leidlich guten Platte ankreiden könnte. Zwischen Psychedelia ("The Chance"), Shoegazer-Schwere ("Desire") und subtil freistilig untertöntem Melancholie-Pop ("Caterpillars") generiert das von John Parish produzierte Album eine Reihe brillanter Momente, die aber nur widerwillig interagieren. In ein und dem selben Song, "Bathwater", exerziert, führt solches Ringen der Elemente allerdings zu einem wahnwitzigen Höhepunkt: Ein mürrisches Saxofon eröffnet eine Phalanx ungesunder Bilder, ehe eine treibende Gitarre das Stück auf Vordermann bringt und Forster loslegt: "The bathwater makes such a clear distinction between what is and isn’t me."

Zurück auf langsam, das Sax ist noch mürrischer, das Stimmungsbarometer steht auf strapaziert, und schon geht’s wieder auf die schnelle Schleife, in der das Sax nun gequält aufjault und Forster unvermittelt in bestem Deutsch skandiert: "Auf der Treppe stehst du / doch du kannst nicht rauf / krank und high / krank und high."

Das vermeintliche Paradoxon ist schnell erklärt: Forster hat eine Zeit lang in Berlin in einem Kino gearbeitet und seine Mutter ist die bayrische Violinistin Karin Bäumler. Pop ist eine Familien-Disziplin, wir sagten es ja schon.