In aller Welt sind die Fan-Konfetti geflogen, als Sylvester Stallone jüngst seinen 75. Geburtstag beging. "Sly", das neue Album des Jazztrios Reis Demuth Wiltgen, huldigt jedoch nicht Hollywoods Ein-Mann-Armee mit dem Dackelblick. Die Luxemburger zollen vielmehr ihrem Heimatland Tribut: Das Wörtchen "sly" bedeutet nämlich auch "schlau", und es gilt hier dem Fuchs auf dem Cover. Ebendieses Raubtier hat in der luxemburgischen Literatur einen großen Auftritt, nämlich in Michel Rodanges Satire "Renert". Danke, Booklet, wieder etwas gelernt.

Das Prädikat "schlau" steht aber auch diesem Jazz gut an: Das Trio von Pianist Michel Reis ergeht sich auch auf seinem vierten Album nicht in Kraftmeierei, sondern in einer feingeschliffenen, pointierten Tonkunst. Die 13 Stücke aus eigener Feder bergen eingängige Melodien fern des Banalen (nah an Vince Guaraldi: "No Storm Lasts Forever"), aber auch vertrackte Themen ("Fantastic Mr. Fox"), die aufgrund eines federnden, luftigen Sounds jedoch nicht überfordern.