Die Kollegen von STS haben es bereits hinter sich. Und auch die EAV befindet sich schon in der ersten allgemeinen Pensi. Gert Steinbäckers "Die letzte Tour" wird im Jahr 2022 über die Bühne gehen. Und noch heuer stehen - so Corona es will - die Abschiedskonzerte von Stefanie Werger auf dem Programm. Das Pop-Urgestein aus Maria Lankowitz war lange genug "Stoak wia a Felsen" und bekennt aktuell auf einem gleichnamigen Album: "Langsam wea i miad." Falco, Hansi Lang, Georg Danzer, Ludwig Hirsch, Sigi Maron oder Wilfried war ein möglicher Ruhestand erst gar nicht vergönnt. Hinter der goldenen Generation des Austropop schließt sich langsam der Vorhang.

Liebe Not

Bereits an diesem Freitag treten zwei weitere Schwergewichte ab. Unterstützt von den Wegbegleitern und Zeitzeugen Minisex sowie von nachwachsenden Fachkräften wie Brofaction und Naranayjana nehmen an einem gemeinsam ausgetragenen Konzertabend unter Einhaltung der 3G-Regel im burgenländischen Wiesen auch Opus und Reinhold Bilgeri den Hut. Nach mehr als 1.500 Konzerten im Falle der etwas jüngeren Erstgenannten ist es auch für den mit seinen 71 Jahren zwar noch fitten, laut ASVG allerdings längst pensionsantrittsfähigen sogenannten "Rockprofessor" aus Vorarlberg an der Zeit, sich vom Publikum zu verabschieden. Live was life.

Zwar hatte auch der Austropop seine Sträuße auszufechten - erinnert sei an den Ösi-Boykott auf Ö3 unter dem heutigen Staatsoperndirektor Bogdan Roščić in den 1990er Jahren und dessen mögliches Vorbild in Gerd Bachers "Schnulzenerlass" von 1968 auf Kosten der Roy Blacks und zugunsten der Frank Zappas da draußen -, vor allem aber hatten Generationen von später Heranwachsenden mit dem Austropop ihre liebe Not. Nicht nur wurde dieser als überholt und dafür zu dominant und vor allem als stur im eigenen Saft köchelnd wahrgenommen. Er klang mit seinen käsigen Sounds aus der Keyboardsammlung von Christian Kolonovits mitunter auch einfach beschissen.

Wiederannäherung

Erst das Auftauchen von Integrationsfiguren wie Der Nino aus Wien und dessen Vorliebe für den jungen Wolferl Ambros, sein Austropop-Coverprojekt "Unser Österreich" mit Ernst Molden und das Wiedererstarken des zweifelsohne im Zeichen der historischen Vorarbeit stehenden Dialekt-Songwritings von Voodoo Jürgens brachte eine neue Dynamik in den Generationenvertrag. Die einst als Wegbereiterin für heimische Popmusik wichtige Worried Men Skiffle Group etwa kehrte als Vater-Sohn-Projekt Worried Man & Worried Boy zurück. Irgendwann landeten auch Wanda und Bilderbuch im Programm von Ö3. Dort feiern heute nicht zuletzt Mainstream-Acts wie Seiler und Speer oder Pizzera & Jaus fröhliche Urständ.

In diesem Klima der Wiederannäherung also finden die gegenwärtigen Abschiede statt. Sie fallen nostalgisch, aber nicht unbedingt wehmütig aus. Opus-Songwriter Ewald Pfleger ist ja auch gut daran gewöhnt, trotz diverser Albumproduktionen nicht nur im Ausland noch immer als von Laibach ("Leben heißt Leben") gecovertes One-Hit-Wonder wahrgenommen zu werden. Die Spotify-Top-5 seiner Band heißen allesamt "Live Is Life" - und sicherten dieser eine goldene Nase.

Ein aktuelles Album haben Opus übrigens auch. Es trägt den Titel "Magnum" (Achtung, Wortwitz!) und bietet mit Songs wie "Greta" ("See how one can change the world / Be the first to move!") den Beweis dafür, dass die Band nach wie vor auf der richtigen Seite steht. Selbstreferenzielle Stücke wie "We’ve Seen It All" sind am Ende aus gutem Grund retrospektiv gehalten. Danach ist alles gesagt.

Reinhold Bilgeri wird davor noch an seine Gsiberger Ursprünge im Joint Venture mit Michael Köhlmeier ("Oho Vorarlberg") erinnert haben - sowie an seine beliebtesten Softrock-Hits mit in Hall getauchten Synthesizern, dramatischen Tomtoms, aufheulenden Stromgitarren und einer guten Portion Hineinbrat-Gesang ("In Love With Two Ladies"). Allerdings versteht sich der Mann mit der lebensrauen Stimme live auch sehr gut auf Fremdinterpretationen aus Radio Evergreen und Joe-Cockerstan.

Etwas "modischer" der Ansatz von Minisex ("Eismeer", "Rudi gib acht"), das Morgen, sprich die New Wave von Gestern, ins Heute zu holen. Rudi Nemeczek hat sich seine Auszeiten von der Musik gegönnt und denkt deshalb auch im Alter von 65 Jahren noch nicht ans Aufhören. Seine Kollegen aber sagen goodbye: "And everyone gave everything and every song / Everybody sang."