Endlich wieder ein großes Konzert in Wien! Joss Stone besuchte am Donnerstag die Hauptstadt im Rahmen ihrer "Total World Tour". Ziel der Tournee ist es, Menschen mit der universellen Sprache der Musik zusammenzubringen und zu zeigen, dass keiner wichtiger ist als ein anderer. Der Einladung folgten etwa 2.200 Fans.

Die Menschenmassen, die sich vor und in der Arena Wien versammeln, bieten nach eineinhalb Jahren Pandemie einen ungewohnten Anblick. Dass beim Einlass der 3G-Nachweis abgescannt wird, sorgt für ein Gefühl der Sicherheit. In der Arena verteilt sich das Publikum recht gut vor der Bühne, sodass man sich voll auf den Grund des Kommens konzentrieren kann: die großartige Stimme von Stone.

Mit einer Stunde Verspätung startet die britische Sängerin in ihre 100-minütige Vorstellung. Das tut der Stimmung jedoch keinen Abbruch. Mit Fortschreiten des Abends werden die Fans immer ausgelassener. Auch die Künstlerin selbst gibt zu, wie schön es für sie ist, wieder gemeinsam singen und tanzen zu können. Während der ganzen Show ist sie sichtlich bester Laune, lacht viel und interagiert immer wieder mit dem Publikum, das sie auch in ihre Songs mit einbindet. Mit ihrer sprühenden Art schafft es die Sängerin, auch noch den letzten Besucher einzufangen.

Sommer im Herzen

Im Vorfeld des Konzerts wurde gerätselt, ob Stone, die auch die "weiße Aretha Franklin" genannt wird, gemäß ihrer Gewohnheit barfuß auf der Open-Air-Bühne stehen würde. 17 Grad Außentemperatur sowie eine Dauerregenprognose sprachen eigentlich dagegen. Spätestens bei ihrem Song "Sinsemilla" aus ihrem letzten reggae-lastigen Album "Water for Your Soul" aus dem Jahr 2015 wird klar: Es könnte am Inhalt ihrer Tasse liegen, dass die Sängerin im ärmellosen roten Kleid und ohne Schuhe nicht zu frieren scheint. Sie gibt nämlich Tipps zur Zubereitung von Marihuana-Tee sowie zum Eigenanbau und erzählt von ihrem Hund, der durch die Pflanze von einem Gehirntumor geheilt wurde. Auf herrliche Weise wird das Klischee des Teetrinkens, das man Briten nachsagt, bestätigt, das der Steifheit jedoch widerlegt. Der leichte Mariahuana-Geruch in der Luft weist darauf hin, dass auch die Fans der Künstlerin Freunde von grüner Entspannung sind.

Der Regen bleibt zur Freude aller aus, die stimmgewaltige Britin erinnert sich dennoch an ihr letztes Konzert in Wien im Jahr 2014, das nach einer Stunde wegen sintflutartiger Regenfälle abgebrochen werden musste.

Neben "Love Me" und "Stuck on You" von ihrem letzten Album finden sich auf der Setlist drei Songs aus den "The Soul Sessions", einer von ihrem ersten eigenen Album "Mind, Body & Soul" sowie zwei Hits aus
"Introducing Joss Stone". Das Publikum wird auch mit einem noch nicht veröffentlichten Hit überrascht, der mit dem Titel "No more lines, no more divides" angekündigt wird. Thema des eingängigen Songs ist Stones Wunsch nach mehr Harmonie. "Wäre es nicht schön, wenn sich einfach alle miteinander verstehen könnten, verdammt noch mal?", sagt sie nach der Interpretation des Songs. Generell fühlt man sich der Sängerin erstaunlich nahe, sie erzählt zwischen den Liedern immer wieder Anekdoten aus ihrem Privatleben. Unweigerlich wünscht man sich, mit ihr gemeinsam Musik zu machen, um einen Teil ihrer Lebensfreude abzubekommen.

Mit einigen bekannten Klassikern anderer Künstlerinnen (etwa "I say a Little Prayer" von Aretha Franklin) erreicht die Stimmung ihren Höhepunkt, es wird ausgelassen getanzt und mitgesungen. Unterstützt wird die Künstlerin von zwei Backgroundsängerinnen und einem Team aus Musikern an Trompete, Saxofon, Gitarre, Bass, Keyboard und Schlagzeug. Heraus sticht der E-Gitarrist, der in einigen Songs mit großartigen Solos begeistert. So auch beim letzten Hit des Abends, "Right To Be Wrong", den Stone als Zugabe spielt. Die letzte Zeile des Songs wird nach einer kurzen Erklärung noch schnell von "Lasst mich in Ruhe" in "Verlasst mich bitte nicht" umgedichtet. Alle sind sich einig: Werden wir nicht!