Nicht vielen Österreichern ist es vergönnt, in der amerikanischen Jazz-Szene Fuß zu fassen. Michael Mantler, Trompeter und Komponist, ist einer davon. Dass er im Schatten eines Joe Zawinul steht, liegt an seiner Neigung zur Avantgarde: 1962 in die USA übersiedelt, suchte er Anschluss an die Feuerköpfe des Free Jazz, fand Anerkennung bei Cecil Taylor, hob mit Carla Bley, seiner späteren Frau, das Jazz Composer’s Orchestra aus der Taufe. Als Komponist hat er seine Klangsprache im Niemandsland zwischen einem modernen Jazz-Vokabular und den Mitteln der Neuen Musik entwickelt: In Mantlers Orchesterwerken treffen aufgepeitschte Dissonanzen auf tonale Inseln, knackige Streicherrhythmen auf diffuse Solos, Flötensüße auf herbe E-Gitarre.

Eine düstere, fordernde Musik, aber erfrischend undogmatisch. Nun sind bei ECM die - erklärtermaßen - letzten Stücke aus der Feder des 78-Jährigen erschienen. Musik, die sich ihren Einsatz in hiesigen Konzerthäusern verdient hätte. Immerhin: Demnächst erklingen Mantlers "Concertos" im Prestige-Jazzclub der Stadt.

Live im Porgy & Bess am 10. und 11. September.