Als Showcase-Festival mit angeschlossener Konferenzschiene wurde das Waves Vienna im Vorjahr mindestens doppelt getroffen. Zum zehnten Geburtstag war es ausgerechnet die nächste Corona-Welle, die der 2011 erstausgetragenen Veranstaltungsreihe zwar nicht den Garaus machte, sie aber ins reduzierte Format eines Streaming-Events zwang. Für Festival-Liebhaber nicht einmal das halbe Vergnügen, bereitete das global brachliegende Live-Geschäft der am Waves traditionell versammelten Branchenwirtschaft ohnehin Kopfzerbrechen.

Bei Maskenpflicht im Innenbereich und unter Einhaltung der 2G-Regel (geimpft oder getestet) kehrt das Waves heuer nicht nur mit 85 Acts aus 19 verschiedenen Ländern zurück, wobei zwischen Donnerstag und Samstag zehn um die Festivalzentrale im Wiener WUK gelegene Bühnen bespielt werden und es im Optimalfall über die Canisiuskirche hinaus zu musikalischen Messen kommt. Auch das Konferenzprogramm setzt (trotz Online-Möglichkeit) nun wieder auf verstärkten Präsenzunterricht und legt seinen Schwerpunkt heuer auf die Musikmärkte des Donauraums. Von Deutschland und Österreich geht es über die Slowakei, Ungarn und Serbien also bis nach Rumänien und in die Republik Moldau, wobei sich das Festival einmal mehr seiner Kernidee verpflichtet zeigt, nicht nur Wellen zu schlagen, sondern auch Brücken zu bauen.

Stilistische Grenzen werden dabei ohnehin überwunden. Mit konzeptuellem rumänischem Elektropop (+She+), einer kölschen Fusion aus Querflöten-Tropicana mit Jazz und Indie-Pop (Wolfgang Pérez) oder in Hall getauchtem Noiserock aus Brno (Sinks) gibt man sich im sogenannten Alternative-Bereich divers aufgestellt. Dazu locken heimische Acts, die wahlweise nach großem internationalen Vorbild agieren (Hearts Hearts) oder wie das wunderbare Wiener Trio Zinn nihilistisch durch die Vorstadt brandinesern.

Historisch gesehen führte schon so manche Entdeckungsreise zu einem Zufallsfund. Auf dem Waves Vienna sollte man sich einfach treiben lassen.