Heute würde man dieses Album als "Game Changer" bezeichnen. Nicht nur für die Band selbst, auch für das Metal-Genre sowie die Rock-Geschichtsschreibung bedeutete das am 12. August des Jahres 1991 erschienene selbstbetitelte neue und insgesamt fünfte Metallica-Album, aufgrund seines schwarzen Covers auch "The Black Album" genannt, eine bedeutende Zäsur.

Wurde Metal zuvor als die Krawallmusik junger Männer mit ungewaschenen, noch dazu langen Haaren und schlechten Manieren wahrgenommen, die Probleme mit der Exekutive suchten, als brandschatzende Poltergeister im skandinavischen Wald umgingen und sogar in der Mur-Mürz-Furche unsere Omis erschreckten, kam das Genre nun in der Mitte der Gesellschaft an. Auch im globalen Mainstreamradio waren Metallica auf einmal zu hören. Mit mehr als 30 Millionen verkauften Einheiten gilt das schwarze Album bis heute als Bestseller. Was war geschehen?

Endlose Diskussionen

Die Band, die mit dem Tod ihres Bassisten Cliff Burton nach einem Unfall mit dem Tourbus im Jahr 1986 bereits einen Schicksalsschlag zu verkraften hatte, zeigte sich mit ihrer künstlerischen Entwicklung zunehmend unzufrieden. Ihrer heutigen Kanonisierung als Meilensteine des Thrash-Metal zum Trotz sorgten die vier ersten Studioarbeiten in der Diskografie bis herauf zu "... And Justice For All" von 1988 weniger bei den Fans, sehr wohl aber unter den Bandmitgliedern für einen Wunsch nach Veränderung. Gemeinsam mit dem Produzenten Bob Rock (Aerosmith, Bon Jovi, Mötley Crüe ...) wollte man dem Dauerstakkato aus Doublebassdrum-Attacken und ewigen Solos mit kreischenden Gitarren in barocker Ausformung und voller Härte ein Ende bereiten.

Das Plattencover von Metallicas epochalem Album aus dem Jahr 1991.

Das Plattencover von Metallicas epochalem Album aus dem Jahr 1991.

Allerdings hatte sich nicht nur Bob Rock seinen Job entschieden einfacher vorgestellt. Trotz eines Produktionszeitraums von Oktober 1990 bis Juni 1991 sorgten endlose Diskussionen über Arbeitsabläufe, die künstlerische Ausrichtung und Aufnahmedetails dafür, dass irgendwann zwar noch immer kein Endergebnis vorlag, die Deadline aber in gefährliche Nähe rückte. Außerdem drückten die Scheidungen gleich dreier Bandmitglieder von ihren Ehefrauen auf die Stimmung. Als die zwölf überwiegend von Schlagzeuger Lars Ulrich und Sänger James Hetfield geschriebenen Songs schließlich doch noch im Kasten und insgesamt dreimal abgemischt waren, hatten die Aufnahmen mehr als eine Million US-Dollar verschlungen.

Für die Arbeiten wurden aber auch keine Mühen gescheut: Allein das Schlagzeug wurde für den richtigen Sound von bis zu 50 Mikrofonen umzingelt, für die am Ende besonders "fetten" Gitarren hatte man im kalifornischen One-on-One-Studio als zusätzlichen Klangraum das sogenannte "Tent of Doom" aufgebaut. Bob Rock ermutigte die Band, diesmal gemeinsam zu schreiben, das alte Gegröle durch tatsächlichen Gesang zu ersetzen und die finalen Songs sehr, sehr oft am Stück durchzuspielen.

Mehr Melodie

Der Bass von Jason Newsted klang präsenter, die Texte von James Hetfield wurden persönlicher (der Krebstod der Mutter, die Einsamkeit auf Tournee ...), vor allem aber gab es mehr Melodie und eine Ballade mit in den Hintergrund gemischten Streichern, zu der man als gereift-domestizierter Altmetaller auch einmal eine heimliche Träne in sein Bier weinen durfte.

Gefühle, noch dazu beinahe positive, waren nicht länger verboten: "Nothing Else Matters", das James Hetfield zunächst zu persönlich erschien, um es aufzunehmen, lief außer auf Ö3 auch auf zahllosen Hochzeiten und machte Metallica endgültig zu Multimillionären. Mit der Gruselgeschichte hinter "Enter Sandman" und dessen Riff von Kirk Hammett hatte sich die Band außerdem gegen Bob Rock durchgesetzt, der das auf dem Matthäusevangelium basierende "Holier Than Thou" als Vorabsingle bevorzugt hätte: "Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet." Ach ja, die Doublebassdrum von Lars Ulrich kam nur mehr für das nihilistisch gebolzte "Through The Never" zum Einsatz und für "Sad Bad True" wurden die Gitarren erstmals tiefer gestimmt.

Zum 30. Jubiläum hat die Band mit etwas Verzögerung nun nicht nur einen Re-Release des Originalalbums in diversen Editionen vorgelegt. Sie hat für das mit 4 CDs oder 7 LPs üppig bemessene Projekt "The Metallica Blacklist" (Universal Music) auch 53 Acts eingeladen, die alten Songs neu zu interpretieren: Aus den Versuchen sehr unterschiedlicher Künstler wie Miley Cyrus und Elton John, J Balvin, St. Vincent, Chris Stapleton oder Kamasi Washington ragen musikalische Härtefälle mit Trap-Beats oder Panflöten aber noch einmal heraus.