"Früher war gestern" ist das erste Album der in Hamburg und Berlin angesiedelten Band Trümmer seit fünf Jahren. Mit "Trümmer" (2014) und "Interzone" hatte sich das Quartett um Sänger Paul Pötsch sehr schnell einen guten Ruf als Repräsentanten der sogenannten "Hamburger Schule" erarbeitet. Eine Zuschreibung, die schon damals eher fragwürdig erschien.

Auf ihrem nun vorliegenden dritten Streich adaptiert die Band ihren Sound endgültig in Richtung ihrer Vorbilder aus dem angloamerikanischen Sprachraum - die Strokes, die Libertines, Shame und Fontaines D.C. dienen als relevante Referenzgrößen - und überzeugt mit elf mitreißenden, meist ungestüm vorwärtsschiebenden Songs.

Das ist weniger Diskurspop als vielmehr dynamisch-dringlicher Indierock. Live in einem Gutshof in Schleswig-Holstein eingespielt - der Aufnahmeort glich mehr einer Garage als einem Aufnahmestudio -, klingt die Produktion nicht nur roh und dreckig, sondern gleichzeitig überaus lässig. Die Unzufriedenheit mit den gesellschaftlichen und sozialen Bedingungen wird mit überschäumender Energie und zupackender Spielfreude in authentisch-suggestive Songs gegossen, die beweisen, dass sich Dringlichkeit und Eingängigkeit nicht ausschließen müssen.

Paul Pötsch (Gitarre, Gesang), Maximilian Fenski (Schlagzeug), Tammo Kasper (Bass) und Helge Hasselberg Gitarre) verstehen ihre Musik als Absage an den Fatalismus und die Resignation: "Lasst euch nicht einschläfern und bevormunden, baut die Welt, wie ihr sie euch vorstellt!" Die Band beherrscht das Spiel mit Slogans und Parolen ebenso wie den (selbst-)ironischen Umgang mit gesellschaftspolitischen Anliegen, die clever an die Hörerschaft gebracht werden.

Treibende Beats, druckvoll-lärmende Gitarren und schepperndes Schlagzeug bilden das Fundament für die Texte, die überwiegend davon handeln, nicht auf bessere Zeiten zu warten oder sich mit dem Status quo abzufinden, sondern selbst aktiv zu werden, das Leben in die Hand zu nehmen und seine Zukunft zu gestalten.