Die Einstürzenden Neubauten hatten im Vorjahr mit ihrer "The Year Of The Rat Tour" pandemiebedingt wenig Glück. Das im Jahr 2020 ebenso ins Wasser gefallene Donaufestival hat heuer vielleicht auch deshalb das lose Motto "In The Year Of The Metal Ox" ausgewählt. In China gilt das Jahr des Ochsen nicht nur als glückliches Jahr, es gilt auch als Jahr der Ernte. Heuer erstmals vom Frühjahr in den Herbst verlegt, wird diese in Krems mit einem reichhaltigen musikalischen Rahmenprogramm eingefahren. Festival-Intendant Thomas Edlinger ist es auch der nach wie vor schwierigen Buchungslage zum Trotz gelungen, eine transkontinentale Leistungsschau der Avantgarde auf die Beine zu stellen. Diese durchbricht nicht nur geografische Grenzen, sondern geht sehr gerne auch in inhaltlich abseitigen Gefilden auf Entdeckungsreise.

Am eröffnenden Freitag (1.10.) des an zwei langen Wochenenden und insgesamt sechs Spieltagen ausgetragenen Festivals erlebt man mit Bendik Giske so etwas wie die elektroakustisch gestimmte und queere norwegische Version des gefeierten kanadischen Saxofonisten Colin Stetson, bevor Nuha Ruby Ra aus London es entlang ihrer Debüt-EP "How To Move" bisweilen so kathartisch wie beschwörend punkistisch anlegt und der angolanische Produzent Nazar der kriegerischen Vergangenheit seiner Heimat mit dem Häcksler nachspürt.

Stephen O’Malley von den Metal-Mönchen Sunn O))) wird es als Gitarrist der US-Komponistin Kali Malone für deren Stück "Does Spring Hide Its Joy" womöglich zurückhaltender anlegen als gewöhnlich - zum Abschluss mit den kenianischen Berserkern von Duma geht es ohnehin rabiat genug zu.

Verstrahlt und freitönend

Tags darauf trifft das kosmische Pluckern des Krautrock-Wiedergängers Die Wilde Jagd auf die vielgestaltigen transkulturellen Brückenschläge mit LGBTQ*-Hintergrund von Acts wie Angel-Ho aus Südafrika und Kampire aus Uganda. Außerdem schaut der französische Improv-Trompeter Jac Berrocal im Trio mit seinen Kollegen David Fenech und Vincent Epplay vorbei. Beschlossen wird das erste Wochenende am Sonntag (3.10.) von der übrigens rein männlich besetzten Girl Band und der russischen Produzentin Margenrot mit politisch gefärbten Industrialklängen.

Nach einer Verschnaufpause wird man am Freitag, 8.10. schließlich im spirituell verstrahlten Kosmos von Devi Mambouka alias Masma Dream World auch mit esoterischen Heilmethoden konfrontiert. Außerdem präsentiert die norwegische Grenzgängerin Jenny Hval das erste Album ihres Projekts Lost Girls. Am 9.10. konzentriert sich alles auf das Österreich-Debüt von Black Country, New Road: Das Londoner Kollektiv stellt seinen freitönenden Indierock-Entwurf mit Klezmer-Einsprengseln und Stream-of-Consciousness-Texten vor, der heuer bereits auf euphorische Kritiken stieß.

"Is this the end?" Nein, am Sonntag (10.10.) darf man sich dann noch u.a. auf das musikalische Reinigungskino der indigenen kanadischen Transkünstlerin Kìzis mit heimischem Streichquartett und die sozialrealistisch-dunklen und dabei fesselnden Spoken-Word-Stücke von Obaro Ejimiwe alias Ghostpoet freuen, Stichwort: "I just wanna live life - and survive it."