"Aah!" Der Anfang gehört einem Sirenengesang. Gläsern und rauchig hält er sich in der Luft, Klavierakkorde gleiten auf und ab, eine Ganztonleiter glitzert. Bald schon schlägt die Stimme seltsame Haken, wiederholt ihre Rätselmelodie, ein Begleitchor geistert dazu durch die Tonarten: Esperanza Spalding, Kontrabassistin und Sängerin, bleibt auch auf ihrem neuen Album einem jazzigen, komplexen Meta-Pop treu. Dabei geht es der vierfachen Grammysiegerin nicht nur um Musik. Die zwölf Nummern von "Songwrights Apothecary Lab" sollen in Zeiten der Pandemie eine segensreiche Wirkung entfalten und, so heißt es, sind darum im Verbund mit Musiktherapeuten und Ärzten gestaltet worden.

Trost, Beruhigung, Erbauung: Jede tönende Pille der "Musikapothekerin" soll einen speziellen Effekt entfalten. Ob sich die Massen an dieser Medizin erlaben werden, ist natürlich fraglich. Wer sich dagegen gern auf vertrackte Rhythmen und Harmonien einlässt, wird reich bedient: Spaldings Therapieaufgebot reicht von überhöhten Popsongs über Mantra-artige Gesänge mit Freejazz-Einschüben bis zu einer vergleichsweise schlichten Ballade mit Souleinschlag. Trost und Rat für Feinspitze.