Nicht die Vogelgrippe, sondern das andere Seuchenwesen mit dem inzwischen inflationären Namen hat im vergangenen Jahr das Blue Bird zu einem kleinen Live-stream-Nest schrumpfen lassen. Heuer werden von der Vienna Songwriting Association (VSA) trotz fortgesetzter pandemischer Lage die Flügel wieder weiter ausgestreckt - zumindest für Geimpfte & Genesene (die - nach derzeitigem Stand - auch noch einen gültigen PCR-Test brauchen): BB für GG+!

Drei November-Tage bzw. -Abende lang werden also, in altgewohnter Manier, wiederum heimische & internationale Acts einer weitverstreuten Folkszene im Wiener Porgy & Bess vor Publikum auftreten. Wobei der Nahe Osten heuer einen kleinen Schwerpunkt bildet - ganz so, als wollte man den pandemischen Blick, der die letzten Monate oft gen Israel gerichtet wurde, akustisch nachvollziehen. Neben dem in Jerusalem geborenen Musiker (u.a. bei Asaf Avidan), Komponisten und Indie-Folk-Sänger Ran Nir werden die sich MARBL nennende Tel Aviver Sängerin Moria Or und die in Haifa geborene palästinensische Poetin und Songwriterin Rasha Nahas aufspielen.

Ein Wiederhören & -sehen gibt es mit dem Iren Mick Flannery, der vor neun Jahren schon einmal beim Blue Bird war. Heuer kommt er gemeinsam mit der Sängerin und Multiinstrumentalistin Susan O’Neill - und da treffen zwei eindringliche, ach was, zwei echt geile Stimmen aufeinander. Ein zu erwartender Höhepunkt am Freitag, der neben Rasha Nahas noch die ungarische Folkrock-Gruppe Platon Karataev (nach Figuren aus Tolstois "Krieg und Frieden" benannt) und den britischen Feingeist Luke De Sciscio aufwartet. Also wieder so ein BB-typischer Wundertüten-Abend. Wie eh ein jeder.

Aus heimischem Anbau wachsen heuer die Lieder von aNNika, den Genre-Grenzgängern Alpine Dweller und den Althaudegen Garish (100 Jahre Burgenland!) die Porgy-Wände empor. Und diese Wände haben feine Ohren. Nicht nur im November.