Selbst aus dem Pool hochkarätiger Singer-Songwriterinnen, der sich um Sharon Van Etten, Angel Olsen & Co gebildet hat, noch herausragend, schärft Alexandra Levy, wie Ada Lea bürgerlich heißt, auf ihrer zweiten LP die Kontraste: Ziemlich zurückgenommenen Folk-Stücken stehen Rocksongs entgegen, die zu explosiven Intensitätssteigerungen und Soundtürmen neigen. Etwa das meisterhafte "my love 4 u is real", dessen melodisches Sentiment eigentümlich an Flotation Toy Warnings "French Kids" erinnert: Während da scheinbar gelassen eine unerwiderte Liebe reflektiert wird, verraten die sich aufschichtenden Gitarren den wahren emotionalen Furor der enttäuschten Protagonistin.

Als "years gone by / very Proustian, this passage of time" erinnert die Musikerin aus Montreal mit ihrer klaren, von einen Hauch Verletzlichkeit schattierten Stimme eine weitere verblichene Beziehung, die aber durch den Rückblick wieder recht präsent wird: "Either growing apart or growing together", das ist hier die Frage, die sich aus der Vergangenheitsform von selbst beantwortet.