In Frankreich machte sie mit ihrem Bananenrock und dem energiegeladenen Charleston Karriere. Für das Land riskierte Josephine Baker als Widerstandskämpferin und Agentin der Spionageabwehr ihr Leben. Dafür wird die französisch-amerikanische Tänzerin, Sängerin und Ikone der Goldenen 1920er-Jahre posthum zur Heldin der Nation.

Als erste schwarze Frau findet sie am Dienstag (30. November) ihre letzte Ruhestätte im Pariser Panthéon - begleitet von einer über einstündigen Zeremonie im Beisein von Familienangehörigen und des französischen Präsidenten Emmanuel Macron.

Wer in Frankreichs Ruhmestempel liegt, gehört zu den Großen der französischen Geschichte wie Voltaire, Victor Hugo, Émile Zola, Simone Veil und Marie Curie. Zu den Helden der Franzosen gehören 75 Männer und nur 5 Frauen. Baker wird die sechste sein. Um ins Panthéon zu kommen, genüge es nicht, ein großer Künstler zu sein, teilte der Elyséepalast mit. Man müsse die Werte der Republik verkörpern und sich für Frankreich engagiert haben.

Baker, geboren 1906 in St. Louis (USA) als uneheliche Tochter einer Waschfrau und eines Spaniers, wurde 1925 in Paris zum Star. Nur mit einem Bananenröckchen bekleidet, eroberte sie im Théatre des Champs Elysées die Zuschauer. Später trat sie als Sängerin und Schauspielerin in Erscheinung.

Das Datum für den Einzug in den Pariser Ruhmestempel wurde nicht zufällig gewählt, denn am 30. November 1937 heiratete Baker den jüdischen Industriellen Jean Lion, wodurch sie Französin wurde. Ab 1939 spielte sie dann eine wichtige Rolle im Widerstand gegen die Besatzer während des Zweiten Weltkriegs.

Sie spionierte im Auftrag der alliierten Streitkräfte und nutzte ihre internationalen Reisen, um geheime Dokumente zu übergeben, die mit unsichtbarer Tinte auf Partituren geschrieben waren. In ihrer Unterwäsche trug sie auch geheime Fotos von deutschen Militäranlagen. Als erste Amerikanerin erhielt sie für ihre Dienste das französische Croix de Guerre und die Ehrenlegion.

Frankreich habe sie zu dem gemacht, was sie sei. Sie werde dafür ewig dankbar sein, hatte Baker einst dem Offizier Jacques Abtey gesagt. Und hinzugefügt: Die Pariser hätten ihr alles gegeben, vor allem ihr Herz. Sie sei deshalb bereit, ihnen ihr Leben zu geben. Eines ihrer bekanntesten Lieder, "J'ai deux amours", handelt von ihren beiden Lieben: ihr Land und Paris.

Baker kehrte 1947 und 1951 in die Vereinigten Staaten zurück, um dort aufzutreten. Doch wurde sie Opfer der rassistischen Diskriminierung von Schwarzen im öffentlichen Leben. Anfang der 1960er-Jahre reiste sie erneut nach Amerika, um die Bürgerrechtsbewegung von Pastor Martin Luther King zu unterstützen. Sie adoptierte 12 Kinder unterschiedlicher Herkunft und Religion als Symbol für Toleranz. Baker starb im April 1975 in Paris im Alter von 68 Jahren. Begraben wurde sie in Monaco.(apa/dpa)