Neben den Düsseldorfer Kollegen von Kraftwerk, den Einstürzenden Neubauten aus Berlin und den Kölner Krautrockpionieren Can handelt es sich bei der Deutsch Amerikanischen Freundschaft, kurz DAF genannt, um die international einflussreichste Band, die sich je auf deutschem Boden formierte. Von wegen "Deutschland, Deutschland, alles ist vorbei": Gegen die einst von Gabi Delgado-López und Robert Görl unter Beigabe eines provokanten Kurzhaarschnittes ausgegebene, nicht minder provokante Parole des Songs "Kebab Träume" sollten vor allem zwei Alben sprechen, mit denen die aus dem Punk-Umfeld kommende Band nach Anfängen als geniale Dilettanten mit Gitarren (!) - und eben: noch als Band - ihr künstlerisches Nachleben in Zweipersonenbesetzung sicherstellte.

Im Duo als DAF zementierten Delgado-López (Texte, Gesang) und Görl (Musik, Schlagzeug) ihren Platz in der Popgeschichte auf "Alles ist gut" und "Gold und Liebe", beide im Jahr 1981 veröffentlicht, mit insgesamt nicht mehr als 70 Spielminuten. Man hörte maximal-minimalistische Mensch-Maschinen-Musik auf Basis harter Synthesizer-Arpeggios und wuchtiger Live-Drums, zu der in kesser Ledermontur zwischen Dancefloor und Darkroom geschwitzt wurde.

Tanzbarkeit und Repetition

Außer sexuell ("Mein Herz macht bum") war das dank rasch missverstandener Hits wie "Der Mussolini" über die Austauschbarkeit von Ideologien auch sehr politisch: "Dreh dich nach rechts / Und klatsch in die Hände / Und mach den Adolf Hitler / Tanz den Adolf Hitler / Und tanz den Mussolini / Und jetzt den Jesus Christus." Und es nahm in seiner auf Tanzbarkeit und Repetition gebauten Grundformel vor allem auch spätere Elemente der Electronic Body Music und des Techno vorweg.

Nach einer gescheiterten Fortsetzung für den US-Markt mit dem im Jahr 1986 veröffentlichten Album "1st Step To Heaven" und erneuter Trennung sollten schließlich erst im Jahr 2003 noch einmal "15 neue DAF-Lieder" erscheinen. Danach beschränkte sich das Duo auf nach Lust und Laune gegebene Konzerte und begeisterte hierzulande letztmalig im Dezember 2017 mit einem denkwürdigen Wien-Auftritt in der Grellen Forelle.

Pochen und peitschen

Nach dem überraschenden Tod von Gabi Delgado-López im März 2020 nach einem Herzinfarkt konnte sich ein zu diesem Zeitpunkt angedachtes Comebackalbum nicht mehr materialisieren. Dafür hat sich Robert Görl im Anschluss allein dazu aufgemacht, letzte neue Lieder aus altem Archivmaterial zu generieren.

Robert Görl im Jahr 2021. 
- © Rick Burger

Robert Görl im Jahr 2021.

- © Rick Burger

Zu pochenden, pumpenden, pulsierenden und peitschenden Synthesizern, die auf selbstreferenzielle Weise entweder die frühen 1980er Jahre beschwören ("Ein Kind aus dem Ratinger Hof") oder sich ein heutigeres Update erlauben ("Kein Ausweg"), darf dabei inhaltlich (wie im Falle des Grimm’schen Triebtäter-Märchens "Das Pur Pur Rot") oder im Sound ("Gedanken lesen") gerne auch direkt an alte Klassiker wie "Der Räuber und der Prinz" oder "Verschwende deine Jugend" angeknüpft werden. Und es geht dabei erneut mitreißend-verschwitzt ("Kunststoff"), aufwiegelnd ("Wir sind wild") und - zwischendurch - ziemlich zärtlich zu ("Du bist so zart").

Musikalisch zeigt sich Robert Görl mit den 15 Stücken von "Nur noch einer" also noch einmal in seinem Element. Allerdings geht der per se schon kühne Versuch, knappe Songtexte im Delgado-López-Stil zu verfassen, mit der Notwendigkeit einher, diese auch vorzutragen. Damit wird zwar dem Gesamtwerk von DAF kein Gefallen getan, allerdings ist die Bedeutung ihres Sängers und Texters am Ende auch in dessen Abwesenheit demonstriert: "Im Schatten erkenne ich das Licht in dir / Komm zu mir!"