Die 1983 in Los Angeles geborene Singer-Songwriterin Emma Ruth Rundle machte sich vorerst im Verbund mit mehreren Bands - Nocturnes, Red Sparowes, Marriages - einen Namen als außergewöhnliche Gitarristin. Auch auf ihren ersten vier Soloalben, allesamt spannende Hybride aus Indie-, Folk-, Gothic-Rock und Pop Noir, prägten mitreißende und oft lärmende Gitarrenklänge das Soundbild.

Nach ihrer musikalischen Kollaboration mit der Sludge- und Doom-Metal-Band Thou ("May Our Chambers Be Full") im Jahr 2020 überrascht Emma Ruth Rundle auf ihrem fünften Soloalbum, "Engine Of Hell", nun mit einem radikalen Stilwechsel. Mit dem Mittel der Reduktion - nur Klavier, Akustik-Gitarre und (bei zwei Songs) dem Cello von Jo Quail - erzielt Emma Ruth Rundle maximale Wirkung.

Im Zusammenspiel mit ihrer einmal verletzlichen, dann wieder eindringlichen, aber stets unter die Haut gehenden Stimme, die flüstert, fleht, klagt, haucht und bebt, gelingen der US-Amerikanerin intensive Stimmungsbilder zwischen emotionaler Tiefe und intimer Intensität. Rundle betreibt auf diesem Album schonungslose Selbsterforschung und überzeugt mit künstlerischer Wucht. Das ist mitunter keine leichte Kost, gleichen diese acht Songs über Ängste, Verluste, Albträume, Drogen, Missbrauch und Tod, aber auch über Sehnsüchte, Hoffnungen und helle Momente, doch einem musikalischen Seelenstrip.

Weil es Rundle dabei aber nicht nur gelingt, Schmerz und Trauer zu kanalisieren, sondern ihnen auch Wärme und Zärtlichkeit einzuhauchen, klingt ihre Musik so tröstlich wie nie zuvor. Diese 40 Spielminuten kann man nicht einfach so nebenbei hören. Sie erfordern Konzentration und man muss sich auf die Songs einlassen - selbst auf die Gefahr hin, dass sie das eigene Unterbewusstsein ordentlich in Bewegung bringen. Mit "Engine Of Hell" ist Emma Ruth Rundle ein beeindruckendes Album gelungen, an dem man sich lange nicht wird satthören können. Anspieltipps: "Return", "Blooms Of Oblivion", "Dancing Man" und "Razor’s Edge".