Fast dreißig Jahre ist es her, dass ein Schicksalsschlag Sophie Abraham ereilte: Eine Lawine riss ihre beiden Brüder in den Tod. Nun widmet die Cellistin, Sängerin und Komponistin dem Andenken ihrer Geschwister ein Album: "Brothers", Abrahams erste Solo-Veröffentlichung, changiert zwischen bedrückenden und erhebenden Passagen, zwischen einer melancholischen Atmosphäre und lichtdurchfluteten Klanggemälden, die über die fragile Schönheit des Lebens zu staunen scheinen.

Nahezu im Alleingang eingespielt, besticht das Album durch jene stilistische Bandbreite, die Abraham bereits als Mitglied des radio.string.quartet und in der Little Band From Gingerland mit Ángela Tröndle an den Tag gelegt hat: Da schmiegen sich melodieselige Instrumentalstücke sphärisch ans Ohr, da leuchtet eine Sirenenstimme aus kammermusikalisch ummantelten Pop-Balladen. Da schlägt aber auch so manches Stück verblüffende Haken und schwankt zwischen erdigen Fideltönen und delikaten Obertoneffekten, zwischen einem mächtig arrangierten Cello-Choral und dissonanten Tremolo-Schwaden. Am schönsten vielleicht, wo diese Musik gleichzeitig beklemmend und berückend wirkt, wie in den eisigen Flageolett-Tönen von "Going & Coming".