So beiläufig dieses Album vor wenigen Wochen veröffentlicht wurde, so beiläufig beginnt es auch - und erweist sich im Weiteren trotzdem um nichts weniger zwingend. Immerhin garantieren alle an den 56 Spielminuten von "The Solution Is Restless" Beteiligten schon auf dem Papier für Qualität.

Joan Wasser alias Joan As Police Woman kennt und verehrt man nach Anfängen als gefragte Session-Musikerin und fixes Bandmitglied bei Antony And The Johnsons spätestens als gefeierte Solo-Musikerin, die sich - wie zuletzt besonders innig im Jahr 2018 auf dem Album "Damned Devotion" - mit eigenen Songs zunehmend in Black-Music-Gefilde vertiefte und dabei nicht zuletzt ihre Soul-Schlagseite betonte.

Hörbare Spielfreude

Für den 1940 in Lagos geborenen Schlagzeuger Tony Allen darf man ausnahmsweise ohnehin das Wort Legende verwenden, ohne damit zu übertreiben. Der Mann schrieb als trommelnder Herzschlag von Fela Kutis Band Africa ’70 Musikgeschichte, erfand den Afrobeat mit und blieb bis ins hohe Alter neugierig und aktiv. Nicht zuletzt seine Arbeit für Damon Albarn, etwa auch in der gemeinsam mit Paul Simonon von The Clash betriebenen Band The Good, The Bad & The Queen, sei erwähnt. Schließlich kam es durch diese nicht nur künstlerische Freundschaft auch zu einer gemeinsamen Erstbegegnung mit Joan Wasser. Nach einem Treffen 2019 in London und der Darbietung von Nina Simones "I Wish I Knew How It Would" waren beide außerdem am Projekt "Song Machine" von Albarns Mixed-Media-Band Gorillaz beteiligt, womit auch der letzte Missing Link zum Entstehungshintergrund von "The Solution Is Restless" gesetzt ist.

Abschließend komplettiert wird das Trio von Dave Okumu. Den ursprünglich in Wien geborenen und aufgewachsenen Produzenten könnte man eventuell als Sänger, Gitarristen und Songwriter der Londoner Band The Invisible kennen, er gilt nach Arbeiten für große Namen wie Amy Winehouse, Jane Birkin, St. Vincent oder Anna Calvi nicht zuletzt aber auch als Aktivposten im Hintergrund.

Für "The Solution Is Restless" traf sich das gemischte Triple im November 2019 einmalig in Tony Allens Wahlheimat Paris, um dort einen Abend lang ohne bestimmte Absicht, aber ganz im Sinne der auf dem Endergebnis in jedem Moment hörbaren Spielfreude auf die freie Form zu setzen und gemeinsam zu jammen. Die Postproduktion erfolgte dann allerdings unter tragischen Umständen: Während Joan As Police Woman nach dem Tod ihres musikalischen Mentors Hal Willner mit im Zuge der Fertigstellung ergänzten Lyrics die Vorzeichen bereits auf Trauerbewältigung stellte, traf am 30. April 2020 auch noch die Nachricht vom überraschenden Ableben Tony Allens im Alter von 79 Jahren ein.

Beiden Verstorbenen ist das Album nun auch gewidmet, und das Andenken an beide schimmert mitunter in Songtexten durch, mit denen Joan As Police Woman eigenen Aussagen zufolge etwa "den transparenten Faden zwischen Leben und Tod" erkundet. Der in diesem Sinne verfasste Song "Enter The Dragon" ist dann auch ein Albumhighlight und fährt im mystischen Nebel eines fernöstlich angehauchten Streichermotivs mit vertrackten Drums auf, zu denen der Bass wie über glühende Kohlen tapst.

Bewegung und Begehren

Zum erwähnten beiläufigen Einstieg in Form der über knapp zwölf Minuten mäandernden Meditation "The Barbarian" ist zu ergänzen, dass das Album auch im Weiteren nicht mit der Brechstange ins Haus fallen wird. Mit einem Gastauftritt von - exakt! - Damon Albarn in seiner Rolle als Chefmelancholiker wird es entsprechend gleich im Anschluss bei "Get My Bearings" hübsch herbstlich. Weitgehend maximal im mittleren Tempobereich angesiedelt, ist es aber vor allem Tony Allen, der auf diesem Album für Bewegung sorgt. Sein zappelig-klapperndes und dabei komplexes Spiel garantiert auch in den getragensten Momenten erhöhte Dynamik.

Bei gerne aufblitzendem Funk und omnipräsenter Soulfulness gesellen sich später noch dezente (Jazz-)Bläser und eine unterschwellig schmirgelnde Vintage-Orgel ins Klangbild, während Joan As Police Woman über, Zitat, "die Sinnlichkeit der Quantentheorie" singt, David Bowie zitiert und dunkle Gewissheiten wie "The end’s the only thing that we can count on" in verführerischen Songs wie "Dinner Date" und "The Love Has Got Me" mit lebendigem Begehren kontrastiert: "Desire is not dirty / Passion is the sky of the mind."