Die Geschichte von Ronnie Spector ist eine Geschichte über den Kampf um weibliche Selbstbestimmung in einem männerdominierten Gewerbe - und ein Paradebeispiel von #MeToo aus einer Zeit lange vor #MeToo. Schließlich wurde die am 10. August 1943 als Veronica Yvette Bennett in New York geborene Tochter einer afroamerikanischen Mutter und eines irisch-amerikanischen Vaters als Leadsängerin einer der berühmtesten Girlgroups der Popgeschichte bekannt.

Gemeinsam mit ihrer Schwester Estelle und ihrer Cousine Nedra kam die Musik der Ronettes zwar grundsätzlich schmachtend daher. Nicht nur mit ihren turmhohen Beehive-Frisuren und dem sanft verruchten Makeup als Steilvorlage für Nachgeborene wie etwa Amy Winehouse aber verlieh die Gruppe ihrem Image eine fordernde Note. Immerhin fällt der Beginn ihrer Karriere unter dem ersten Namen The Darling Sisters in die konservative Zeit der späten 1950er und ihr Durchbruch als Recording Artists nach ersten Auftritten im Apollo Theater in Harlem und der gleichfalls in Manhattan angesiedelten Peppermint Lounge in die frühen 1960er Jahre.

Markante Kastagnetten

Wesentlich in Zusammenhang mit dem Aufstieg der Ronettes zu Weltruhm, aber auch mit dem persönlichen Verfall ihrer Leadsängerin, steht dabei vor allem ihre Verbindung mit dem US-Produzenten Phil Spector. Dieser verantwortete ab dem Jahr 1963 alle wesentlichen Hits des singenden Familienunternehmens, verfügte als gefährlicher, 2009 wegen Totschlags verurteilter Studio-Patriarch aber auch über dessen Karriere und Schicksal.

Gleich die erste Zusammenarbeit zeitigte dabei den größten Hit. "Be My Baby", gemeinsam mit den späteren Mitgliedern der Wrecking Crew eingespielt und im Stile Phil Spectors berühmter "Wall of Sound"-Technik angerichtet, definierte den Sound der Gruppe in nur zwei Minuten und 41 Sekunden. Inklusive eines markanten Kastagnetten-Arrangements und mit der blutjungen Cher (!) als Teil des Backgroundchors war ein buchstäblicher Evergreen gelungen - ein karriereüberdauernder Song, der den schon im Jahr 1967 wieder aufgelösten Ronettes, nun bereits von erheblicher Vintage-Patina überzogen, 1987 im Film "Dirty Dancing" einen ersten zweiten Frühling bescherte.

Die Stones als Vorband

"Baby I Love You" und "(Walking) In The Rain" wurden zu weiteren Hits, ebenso die Beigaben der Ronettes zur Kompilation "A Christmas Gift For You From Phil Spector" mit zusätzlichen Aufnahmen von Konkurrenzgruppen wie etwa The Crystals. Im Jahr 1964 traten die Ronettes mit den Rolling Stones als Vorband (und nicht umgekehrt!) in England auf, entsprechend hielt 2007 bei der Aufnahme der Ronettes in die Rock and Roll Hall of Fame ein gewisser Keith Richards die Laudatio. Während einer gemeinsamen Tour mit den Beatles durch die USA wiederum war der Stern der Gruppe 1967 schon im Sinken. Der Flop der später allerdings von den Beach Boys gecoverten Single "I Can Hear Music" im selben Jahr schließlich läutete das Aus der Ronettes mit ein. Wiederholt deklarierte sich Brian Wilson auch in späteren Jahren als Fan und Bewunderer.

Über die zerstörerische sechsjährige Ehe mit Phil Spector, der die Sängerin auf seinem Anwesen gefangen hielt und ihr unter anderem mit einem Auftragsmörder drohte, erzählte Ronnie Spector in ihren Memoiren und vor Gericht, wo sie bis in die Nullerjahre auch um Tantiemen gegen ihren Ex-Mann prozessierte und schließlich abgespeist wurde. Die Soloalben "The Last Of The Rock Stars" (2006) unter Schützenhilfe von Patti Smith, Keith Richards und dienstjüngeren Kollegen wie The Raveonettes und "English Heart" (2016) mit Coverversionen sollten ihre letzten Arbeiten bleiben.

Ein Jahr nach dem Tod Phil Spectors in Haft ist Ronnie Spector nun einem kurzen Krebsleiden erlegen. Sie wurde 78 Jahre alt.