Bei Coverversionen weiß man nie so genau, was sich dahinter verbirgt. Sind sie Ausdruck schöpferischer Krisen, in denen Musikern nichts mehr einfällt und sie sich an fremdem Material aus dem kreativen Sumpf ziehen müssen? Oder sind sie eine Art Königsdisziplin, mit der Künstler sozusagen ihr Great Personal Songbook offenbaren? Ist die Ehre, gecovert zu werden, ein Ritterschlag, mit dem man in den ewigen Songkanon eingeht? Als Johnny Cash im Zuge seiner berühmten "American Recordings" auch "I See A Darkness" von Bonnie "Prince" Billy einspielte, durfte sich der 1970 geborene Schrat aus Kentucky, der bürgerlich Will Oldham heißt, jedenfalls sehr wohl geadelt fühlen. Und dass Metallica jüngst ihr "Black Album" von sage und schreibe 51 Künstlern covern ließen, zeigt, wo sich die Mannen um James Hetfield selbstverständlich sehen: ganz oben im Olymp der Rockgeschichte.

Die Corona-Pandemie jedenfalls scheint den Coveralben neuen Auftrieb gegeben zu haben. A.A. Williams’ "Songs From Isolation" oder das neue Album von Cat Power hangeln sich an Fremdmaterial durch die Krisenzeit ohne große Auftrittsmöglichkeiten, und dass nun Bill Callahan und Bonnie "Prince" Billy zusammen mit 19 verschiedenen Musikern aus dem Dunstkreis des Drag-City-Labels eine "Blind Date Party" veranstalten, passt ins Bild. Irgendwie muss man sich die Zeit ja vertreiben.

Trotzdem ist ein schönes Album herausgekommen, das von Cat Stevens und Iggy Pop bis Billie Eilish und dem späten Leonard Cohen ein wunderbar buntes, originelles Songspektrum verwurstet. Mal ziemlich angeschrägt, mal nur dezent verändert, sorgen vor allem die wechselnden Kollaborationen für reichlich - auch instrumentelle - Abwechslung.

Und nicht zuletzt ist dieses Album eine Hommage an ein paar Große des Country und des Alternative Folk, die nicht mehr unter uns sind: Jerry Jeff Walker (der gleich mit zwei Songs vertreten ist und 2020 starb), David Berman von den Silver Jews (der sich 2019 das Leben nahm) und als Rausschmeißer "She Is My Everything" von John Prine, der gleichfalls 2020 diesem elenden Coronavirus zum Opfer fiel.