Ein Baum vor der Melancholie eines blaugrauen Himmels, die verästelten Zweige verwischt wie auf einem Aquarellgemälde: Das Cover von Verena Zeiners Album passt hervorragend zu ihrem Klavierspiel. Die heimische Jazzpianistin kultiviert einen eher gemächlich Stil, beginnt oft mit repetitiven Akkorden, mit tastenden Kurzmotiven im Verbund mit Pedalnebel und bringt die selbst gewählte Beschränkung gern mit auratischen Atempausen zur Wirkung. Eine meditative Musik also, doch keine ganz gefällige: Gerade, wenn man sich so richtig heimisch fühlt in einem Akkord, schüttelt Zeiner eine unverhoffte Rückung aus dem Ärmel, einen schrägen Melodiebogen oder steigert ihren versonnenen Sound zu einem druckvolleren Solo.

Ihr neues Album bezieht seine spezielle Würze aus dem Zusammenspiel mit Ziv Ravitz: Der israelische Schlagzeuger pflegt einen trockenen, treibenden Stil, der an vertrackten Elektronik-Beats geschult scheint, und kontrastiert Zeiners aquarellierte Formen damit reizvoll - nicht als dienender Groove-Begleiter, sondern als egalitärer Partner, der das Klangbild gleichermaßen solistisch anreichert und dynamisiert.