Es gibt nicht viele Sänger, deren Namen man nur hören muss, und es schießt einem schon ihr bekanntestes Lied in den Kopf, wo es dann sehr lange als Ohrwurm verbleibt. Meat Loaf ist so jemand, mit "I’do anything for love (but I won’t do that)". Diese Pathos-Rockballade mit dem Video in Schauer-Romantik ist zum einen typisch 90er-Jahre. Zum anderen ist sie genau das, was das Showbusiness und seine Rezipienten lieben: ein Happy End.

Der Song und das zugehörige Album "Bat Out Of Hell II" brachten Meat Loaf nicht nur ein fulminantes Comeback, er steht auch für eine wiedergefundene Lebensmenschen-Freundschaft. Mit seinem Leibkomponisten Jim Steinman hatte sich Meat Loaf nämlich nach ihren ersten Erfolgen zerkracht.

Ihre langjährige, mit Höhen und Tiefen gespickte Beziehung begann übrigens mit einer neckischen Beleidigung. Meat Loaf stellte sich für eine Musicalrolle bei Steinman mit einem Song mit dem Titel "(I’d Love to Be) As Heavy as Jesus" vor. Steinman beachtete ihn wenig, aber sagte im Abgang trocken: "Du bist übrigens so schwer wie zwei Jesuse."

Rock im Rüschenhemd

Das Bodyshaming nahm der immer wenig stromlinienförmig gebaute Meat Loaf nicht übel. Immerhin hieß er ja nicht ohne Grund Meat Loaf. Das ist nämlich nicht sein bürgerlicher Name gewesen, der war Marvin Lee Aday. Sein Vater hatte ihn als Baby Meat (Fleisch) genannt, weil er so rot war, und in der Schule fügten kreative Kollegen den Loaf dazu und machten aus Marvin das Fleischlaberl, als das er berühmt werden sollte.

Freunde rieten ihm, dass seine Stimme bei Songs von Jim Steinman besonders gut zur Geltung käme. Und so kam es, dass sie gemeinsam das Album "Bat Out Of Hell" machten, mit dem Meat Loaf 1977 seinen internationalen Durchbruch erlebte. Darauf sind wenige nachhaltig eingängige Nachsinghits, dafür ist Steinmans Stil zu episch und opernhaft. Manche Lieder sind an die zehn Minuten lang – für heutige Spotify-Aufmerksamkeitsspannen nachgerade eine Ewigkeit. Die Songs sind Geschichten, wie "Paradise by the Dashboard Light", das die schwurschwangere Genese eines Beischlafs erzählt.

Es ist eigentlich Rockmusik für Menschen, die eher Musical mögen. Aber erst die Stimme des theatralisch agierenden Sängers mit dem immer etwas pummeligen Babyface und seine Vorliebe für den Stilbruch – der Rocker im Rüschenhemd – machten diese Lieder zu etwas Besonderem.

Apropos Musical: In der Verfilmung "Rocky Horror Picture Show" hat Meat Loaf auch eine erinnerungswürdige Rolle übernommen. Er war Rocker Eddy, ein moppeliges Elvis-Lookalike, das ein blutiges Ende auf den Festmahltellern von Frank’n’Furters Gesellschaft nimmt. Die Mischung aus Todesangst und Revolte, die Meat Loaf hier in "Hot Patootie" hören lässt, zeigt schon, dass in seinem Gesang immer auch Drama und Schauspiel steckte.

Das ging aber auch ohne Singen: So war er etwa im Film "Wayne’s World" zu sehen und unvergessen ist seine Rolle als Kämpfer mit beachtlichem Steroid-Busen in "Fight Club".

Mehr als 100 Millionen Alben verkaufte der US-Musiker, der sich nach schweren Krisen, Depressionen und Alkoholsucht, wieder aufrappelte. In der Nacht auf Freitag ist Meat Loaf mit 74 Jahren gestorben. Mit ins Grab nimmt er das Mysterium seines bekanntesten Hits: Was er nun als Einziges nicht aus Liebe machen würde.