Ende letzten Jahres überraschte die japanische Band Boris mit einer Coverversion von "Last Christmas", was ungefähr der Quadratur des Kreises gleichkommt. Doch dürfte auch diese Interpretation Teil einer Therapie sein, die 2020 mit dem Album "NO" einsetzte und sich bis zum nun vorliegenden "W" erstreckt. Nicht nur, dass der Titel auf die Bassistin und Sängerin Wata verweist, um die das Album zentriert ist, "W" komplettiert beide Alben zu "NOW" als Bestandsaufnahme der Gegenwart.

Anders jedoch als das Vorgängeralbum, das von Punk und Hardcore dominiert war, und anders auch als ihre letzten Kollaborationen mit Merzbow ("Love & Evol, "2R0I2P0"), gibt sich "W" wie ein Soundteppich, in den elektronische Spielereien verwoben sind. Metalexzesse wurden mit einer Ausnahme ("Jozan") auf ein Minimum reduziert und spielen eine eher ornamentale Rolle. Vielmehr besticht "W" mit atmosphärisch dichten Songs - und gibt sich wie ein kathartischer Fiebertraum, aus dem man geheilt erwachen darf.