Auf den ersten Blick keine große Sache: Der Schlagzeuger Johnathan Blake hat ein Jazz-Album eingespielt und das Genre damit beileibe nicht neu erfunden. Das Saxofon groovt, das Schlagzeug swingt und das Vibraphon rundet den traditionellen Sound mit Glanztupfern ab. Dennoch ist Blake, Partner von Jazz-Kompetenzen wie Maria Schneider, Kenny Werner und Chris Potter, mit "Homeward Bound" ein famoses Debüt als Leader auf Blue Note Records gelungen. Der Vintage-Sound seines exzellenten Quintetts wird von einer Energie gespeist, die eine museale Anmutung verhindert und sich für Momente auch in Richtung Free Jazz Bahn brechen kann. Eine Energie, die vom klangsatten Schlagzeug ausgeht: Blake entlockt ihm gefinkelte Texturen und treibt die Musik gleichwohl druckvoll voran.

Auch die Instrumentalstücke entstammen weitgehend der Feder des 45-Jährigen aus Philadelphia und ressortieren im Postbop, jenem Fach also, das das Erbe von Be- und Hardbop mit modalem Jazz anreichert. Als Ohrwurm sticht dabei das Titelstück mit dem federnd-optimistischen Fünfergroove heraus; weitere Höhepunkte liefern der Furor von "LLL" und ein Cover von Joe Jacksons 80er-Jahre-Song "Steppin’ Out": Ein grandioser Schlusspunkt, wenn Altsaxofonist Immanuel Wilkins über den zunehmend schrägen Klavierakkorden von David Virelles zu einem Coltrane-artigen Solo abhebt.