Gary Brooker, die Stimme der britischen Popgruppe Procol Harum, ist gestorben. Der Sänger und Songschreiber erlag im Alter von 76 Jahren einem Krebsleiden.

Den größten Erfolg verbuchte seine Band bereits im Gründungsjahr 1967: Die hymnische Ballade "A Whiter Shade Of Pale" stürmte die Hitparaden und verkaufte zehn Millionen Singles weltweit. Grund dafür war nicht nur der ebenso rätselhafte wie charismatische Text, der mit den Worten "We skipped the light Fandango" beginnt, sondern auch die musikalische Gestaltung: Die Nummer, als deren Autoren seit einem erbitterten Rechtsstreit in den Nullerjahren Brooker und der ursprüngliche Organist der Band, Matthew Fisher, gelten, hat das Erbe von Johann Sebastian Bach für eine schwermütigen Popmusik adaptiert: Die ersten Takte paraphrasieren die legendäre "Air auf der G-Saite", und auch im weiteren, stark von der Hammond-Orgel geprägten Verlauf bleibt der Einfluss des Barockmeisters unverkennbar.

Viel mehr als "A Whiter Shade"

Dass "A Whiter Shade" heute im Ruf eines One Hit Wonders steht, ist freilich Unrecht. Procol Harum brachten es zumindest auf eine Handvoll Hits, darunter die ebenso epische Ballade "A Salty Dog" aus dem Gründungsjahr der Band.

Vor allem entwickelten sie in weiterer Folge ihre eigene Spielart des Progressive Rock und vermählten eine eingängige Popmelodik mit einer reichen Harmonik. Erstaunliche Nachweise dafür liefern "In The Autumn Of My Madness" aus der rund 20-minütigen Suite "In Held ’Twas In I" (1968) sowie die Ballade "Fires" vom Album "Grand Hotel" (1973) mit ihren kühnen Harmoniefolgen und der stets so wehmütigen Stimme Brookers. Am vergangenen Samstag ist der Sänger friedlich in seinem Zuhause verstorben, seine frühen Alben bleiben ein leuchtendes Beispiel für die Qualitätshöhen des Pop rund um 1970.