Die Herkunft der Band hört man ihrer Musik keine Sekunde lang an. Immerhin handelt es sich bei King Hannah um blasse junge, also nach Vitamin-D-Mangel und schlechter Ernährung aussehende Briten, die allerdings nicht die Probleme des Working-Class-Daseins in einem betongrauen Vorort von Birmingham, sondern lieber ein Gefühl der weiten amerikanischen Weite beschwören.

Nach einem ersten Lebenszeichen in Form der vor zwei Jahren erschienenen EP "Tell Me Your Mind And I’ll Tell You Mine", auf der erschöpfungsdepressiv klingender Ambient-Folk in reinigende Instrumentaljams übergehen konnte, wenn die Band nicht gerade den frei fließenden Rockentwurf der War On Drugs zu evozieren schien, bestätigt und verstärkt sich dieser Eindruck auch auf dem nun vorliegenden Debütalbum des in Liverpool gegründeten Duos. Wobei man auf "I’m Not Sorry, I Was Just Being Me" - der Titel legt es bereits nahe - außerdem lernt, dass sich dunkle Klänge und britischer Humor nicht zwangsläufig ausschließen.

Die ursprünglich aus Wales stammende Sängerin Hannah Merrick hat ihren Partner Craig Whittle bei der Arbeit kennengelernt. Dass erste Pläne für die Bandgründung bereits beim gemeinsamen Kellnern in einem ortsansässigen Pub entstanden, bestätigt sich im Rahmen der rund 45 Spielminuten nicht erst mit dem selbstreferenziell geschrammelten "It’s Me And You, Kid" zum Abschluss: "I’m picking up another shift tonight / I hope to God that it’s the last one, I do" - Unzufriedenheit im Brotjob war schon immer ein guter Motor für kreative Karrieren.

Bereits zum Auftakt mit "A Well-Made Woman" und seinem nahe an "Electric Funeral" von Black Sabbath aus dem Jahr 1970 errichteten, in diesem Fall aber akustisch servierten Gitarrenmotiv singt Hannah Merrick mit heiser-beschwörender Stimme über einen verschleppten, knorrigen Beat: "I used to be a singer by day and bar-tend by night / Big, big, big time / Oh and I’ve been working a long / A long, long, long time / I am a woman, a brave, brave one / I am a woman, a well-made one."

Nach "So Much Water So Close To Drone", einem als Interlude und gespielter (Wort-)Witz angerichteten Instrumental, und dem zum Kopfnicken ladenden "All Being Fine" mit seinem Text über eine Phase der kindlichen Bettnässerei (wie gesagt, Humor hat Hannah Merrick auch) ist man dann auch schon beim Hit des Albums angelangt.

Der knapp-dringliche Bluesrockwiedergang "Big Big Baby", der an hier offenbar Geistesverwandte wie Jamie Hince und Alison Mosshart alias The Kills denken lässt, basiert auf einem Riff in Manier des Peter-Gunn-Themes und einem Beat, der aus Schlägen in die Magengrube bestehen könnte. Passend dazu erklärt Hannah Merrick dann auch, dass man es sich mit ihr besser nicht verscherzt: "I heard you got a lady pregnant / Well I can only wish her well / ’Cos soon you’ll have a bigger baby / In the family than yourself / I can’t explain / You were a pain, pain, pain, pain." Sagen wir ruhig Revenge-Blues dazu. King Hannah kredenzen ihn messerscharf.

Neben Songs, die noch Luft nach oben lassen, etwa über Zeiten der ungezähmten Kindheit mit wilden Gokartfahrten und die anschließende Lebensphase, die man nun nicht mehr nur laut der Deutsch Amerikanischen Freundschaft bestens verschwenden kann, läuft die Band aber nicht zuletzt im Mittelteil mit "The Moods That I Get In" zur Hochform auf. Zu Bluesgitarren und Beserlschlagzeug im Zeitlupenmodus geht es mit David Lynch über den Mulholland Drive wieder hinaus in die schwarze amerikanische Nacht.

Eine Talentprobe! Live am 9. April im Wiener Chelsea.