Als Pat Fish alias The Jazz Butcher im vergangenen Herbst sein 14. Album mit dem Titel "The Highest In The Land" fertigstellte, war ihm klar, dass er dessen Veröffentlichung nicht mehr erleben würde. Er hatte zwar eine Krebserkrankung überwunden, aber war körperlich geschwächt und hatte der Herzattacke, die er im Oktober 2021 erlitt, keine Abwehrkräfte entgegenzusetzen. Fish, der 64 Jahre alt wurde, starb, wie sein Produzent Lee Russell anmerkte, "während er darauf wartete, dass der Kaffee kocht".

Bis zuletzt hatte sich Fish keinerlei Zwang angetan, Konzerte gegeben, Drogen genommen, getrunken, geraucht. Das Cover von "The Highest In The Land" zeigt ihn denn auch am Pariser Gare du Nord bei jener Tätigkeit, die ein Raucher als Erstes vollzieht, wenn er nach einer langen Zugfahrt ins Freie kommt und die Luft rein ist (bis seinesgleichen auftaucht).

Aber in noch einer weiteren Hinsicht ist das Cover bemerkenswert und birgt einen Fingerzeig: Fish, der von Thatcher bis Johnson und Brexit die volle Breitseite britischer Bizarro-Politik als Zeitzeuge miterlebt hatte, war überzeugter Europäer. Dazu passt, dass er in "Running On Fumes" die Weimarer Republik, Hermann Hesse und Mackie Messer - mit dem deutschen Namen, nicht als Mack The Knife - anführt. Demgegenüber hat er einige harsche Abreibungen für britische Sehnsüchte nach vergangener Größe über: "The gammons (puterrotköpfige Wutbürger, Anm.) are all whining for some kind of reclamation / but they don’t know what they want to reclaim", ätzt der aus Northampton in den Midlands stammende Fish in "Sebastian’s Medication".

Auch für seinen bevorstehenden Tod hat Fish nicht mehr als Spott über. "Fishy go to heaven, get along, get along. I’m having too much fun to get anything done", kommentiert er mit dem letzten Satz auch sein größtes Karrierehindernis benennend. Gleichwohl zeigt ihn sein Abschiedsalbum, mit Hilfe des Jazz-Butcher-Gründungsmitglieds Max Eider an der Gitarre entstanden, noch einmal auf dem höchstem Level seiner Kunst, Pop mit einer Variante von Jazz zu verbinden, dessen temperierte Anmutung immer ein wenig die grimmigen Inhalte zu entschärfen schien.