Nilüfer Yanya: Painless (ATO/Pias)

"Late night / Up all morning / I could feel something / But it could be nothing." So schmerzbefreit, wie es der Titel ihres zweiten Albums vermuten lässt, wird es auf den zwölf neuen Songs von Nilüfer Yanya eher nicht zugehen. Immerhin verarbeitet die 1995 in London geborene Sängerin und Songwriterin mit familiären Wurzeln in Irland, auf Barbados und in der Türkei auf "Painless" nicht zuletzt eine gescheiterte Beziehung – beziehungsweise den Prozess des Scheiterns als zersetzende Abwärtsspirale. "Days too far apart / Chained you to my heart / Strangers side by side / Strangers all our lives."

Nach Anfängen mit Uploads auf Soundcloud, ihrem entschiedenen Nein zu einem Angebot, als Mitglied einer Girl Group mit One-Direction-Hintergrund für gutes Geld Konservenpop aus fremder Feder zu singen, sowie nach ihrem akklamierten Debütalbum "Miss Universe" von 2019 überzeugt die Tochter eines Künstlerehepaars dabei mit Songwriting zwischen den Stilen (und Stühlen): Mit der nicht zuletzt auf den guten alten Flangereffekt setzenden Gitarre im Zentrum vereinen sich auf Basis organischer Breakbeats und Drumcomputer-Patterns der Marke Radiohead Einflüsse aus dem Alternative Rock der 1990er Jahre und hübsch verwaschener Bedroom-R&B, für den Nilüfer Yanya ihre Wisperstimme ebenso gewinnend einzusetzen versteht wie geschichtete Gruppengesänge ihrer selbst. Die Ergebnisse pendeln dann zwischen kunststudentischer Note und gesteigerter Popsensibilität. Gut!

Live am 24.3. in der Grellen Forelle

Love Good Fail: Brief Romance (Seayou Entertainment/Rough Trade)

"I want to be your lover / Can we meet again?" Die Wiener Band Love Good Fail hat sich ursprünglich als "Love Triangle", sprich als gemeinsam musizierender Threesome vorgestellt – ein Dreierziegel mit Instrumenten. Weil ähnliche Konstellationen auch im echten Leben bereits gescheitert sein sollen, trägt das zweite Album jetzt nicht nur den Titel "Brief Romance". Vier Jahre nach ihrem gleichfalls bei Seayou Entertainment veröffentlichten Debütalbum "We Met At Night" sind Love Good Fail jetzt auch zum Duo geschrumpft.

Co-Produziert von Techno-Urgestein Patrick Pulsinger, bewegen sich die acht auf Elektronik, Drumcomputer und Gesang reduzierten Songs im Graubereich von (Chicago) House und Elektro-Pop. Während die wabernden Synthie-Arpeggios mitunter ebenso an eine kostengünstigere Version der Düsseldorfer Elektronikpioniere Kraftwerk erinnern können wie die käsigen Keyboards an Modern Talking oder die strammen Vierviertelbeats an die Love Parade, bleibt die inhaltliche Ausrichtung zumindest weitgehend sinnlich, sehnsüchtig und sexuell.

Im Hintergrund verschanzt sich Produzent Johannes Pobitzer hinter seiner Gerätschaft, im Vordergrund legt es Sängerin Johanna Prechtl im Kontrast zu den Inhalten erstaunlich kühl-distanziert an. Obwohl die mit einer Art akustischem Weichzeichner belegten Ergebnisse durchaus melancholisch ausfallen dürfen, heißt es etwa im Stück "Plain" im Umkehrschluss zu Simon & Garfunkel ("Hello darkness, my old friend. . . .") "Goodbye, my sorrow, goodbye, my old mate". Für gewisse Stunden können auch heteronormative Affären im Zweigespann reizvoll sein.

Kanye West: Donda 2

Nur ein halbes Jahr nach dem seiner Mutter gewidmeten Album "Donda" ist Kanye West bereits mit dem Nachfolger "Donda 2" zur Stelle. Nach den öffentlich zugänglichen Vorabsingles "Eazy" and "City Of Gods" hat das mittlerweile elfte Album des US-Rappers aber einen entscheidenden Vorteil: Man kann sich das weder im Handel noch über gängige Streaming-Plattformen und stattdessen ausschließlich über Wests eigenen Stem Player erhältliche Werk als Durchschnittskunde erst gar nicht mehr anhören. Entsprechend werden derzeit vor allem auch wieder die Finanzdeals im Hintergrund der Veröffentlichung diskutiert. Musik ist zweit-, dritt-, ach was, Musik ist nachrangig. Und "Kunst" kommt sowieso noch immer von Cash.

Die 16 neuen Stücke jedenfalls thematisieren vor allem Kanye Wests Scheidung von Kim Kardashian. Buhu! Die Online-Rezensionsmistgabel pitchfork.com hat dafür desaströse 4.3 von 10 möglichen Punkten vergeben. Mehr muss man über Kanye West nicht mehr wissen.