Martin Listabarth steht im Ruf eines Grenzgängers: Der Wiener Jahrgang 1991 hat an der hiesigen Musikuni sowohl Jazz- als auch klassisches Klavier studiert. Der Tonfall seines zweiten, solo bestrittenen Albums wird dennoch vor allem von Jazz-Vokabular gespeist. Listabarth arbeitet mit einem reichen, fein schattierten Spektrum an Harmonien und beschert seinen Balladen damit eine atmosphärische Wirkung; die Solos der flotten Nummern, gern befeuert von einem gefinkelten Ostinato der linken Hand, erinnern in ihren besten Momenten an die quirlig-kantablen Linien Stefano Bollanis.

Es tun sich aber auch Klassikbezüge auf: Listabarths Musik, wohl weitgehend auskomponiert, erinnert in ihrem sinnlichen Fluss an Klavierwerke der Romantik. Und: Sie stellt sich denselben Anspruch wie ein Charakterstück jener Zeit, nämlich Stimmungsbilder zu malen. Listabarths Ziel: Mit jeder Nummer eine andere Persönlichkeit zu porträtieren, und das tut er mal lyrisch, mal heiter. Anspieltipp: Die neckische Hommage an Hercule Poirot und der Tribut an Linksfuß Diego Maradona mit flinkem Linkshand-"Dribbling".