Dass er mit 1,64 Meter ein bisschen kurz geraten ist, konnte nicht einmal die quasi natürliche Überhöhung durch die Bühne kaschieren. Jamie Cullum sprach sein Defizit an Körpergröße denn auch gleich selbst an: mit dem Titelsong seines 2019er-Albums "Taller", der sinngemäß sagt, dass Größe nicht allein durch physische Komponenten definiert ist. Und schnell war das Thema vergessen. Denn der 42-jährige Engländer mit burmesischen und israelischen Wurzeln ist auf der Bühne eine Urgewalt.

Jamie Cullum hat sich ursprünglich als Jazzmusiker mit einem Mix aus Genre-Standards und stimmigen eigenen Adaptionen profiliert. Im Prinzip aber gibt es kaum Stile, die vor dem Zugriff des eindringlichen Sängers und versierten Pianisten sicher sind, wie sich im vollen Konzerthaus nachdrücklich zeigte: Von beweglichem Piano-Pop über Gospel (a capella im Chor zelebriert), Latino, gar nicht so seltenen Anklängen an den New Orleans-Rhythm & Blues eines Dr. John bis zum kochenden Funk brachte Cullum mit seinen ausgezeichneten sieben Begleiterinnen und Begleitern alle möglichen und unmöglichen Gegensätze über die Bühne. Vor allem aber bestätigte er sich als begnadeter Performer, der legendären Größen wie Prince in nichts nachsteht: Ein Tänzer von beispielloser Körpergewandtheit, fegte er nicht nur über die Bühne, sondern auch ins Parkett, um auf verwaiste Sitze zu springen und unablässig Stimmung zu machen. Das Publikum, in dem sich sehr reife Semester und junge Jahrgänge mit signifikanter weiblicher Überzahl mischten, hatte es schon ab der Hälfte des zweistündigen Sets nicht mehr auf den Plätzen gehalten.