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Wunschkonzert

Im Zeichen ihrer großen Hits steht die aktuelle Tour der Pet Shop Boys, die am Donnerstag im Wiener Gasometer Station machte.

von Bruno Jaschke

Guten Abend Wien, wir sind die Pet Shop Boys", begrüßte Neil Tennant, nach guter Gewohnheit in makellosem Deutsch, das Auditorium im vollgefüllten Gasometer zu einem Abend im Zeichen der Wunscherfüllung: Konzerte der Pet Shop Boys geizen a priori nie mit Hits, und dieses Mal gab das verkaufsstatistisch erfolgreichste Duo der Pop-Geschichte ähnlich den ebenfalls danceaffinen, stilistisch aber sehr anders veranlagten Schottenrockern von Franz Ferdinand ein paar Wochen zuvor in der Arena ein Programm, das schon per definitionem im Zeichen ihrer größten Schlager stand. Schließlich lautet das Motto der aktuellen, mehrfach verschobenen PSB-Tour "Dreamworld - The Greatest Hits Live".

Evergreens im guten Sinne

Dass man die Songs in- und auswendig kennt, macht bei den Pet Shop Boys aus mehreren Gründen kaum etwas: Ihre Musik hat sich nie soziale Relevanz angemaßt oder kühne Lebensentwürfe vertreten (wenn man vielleicht von einer gewissen Bedeutung für Gay Communitys, die das Duo allerdings nie offensiv vertreten hat, absieht). Sie kann damit aber auch nicht so peinlich altern wie eine Leit-Hymne à la "My Generation". PSB-Hits sind vielmehr Evergreens im guten Sinne, angenehm-aufdringliche Lebensbegleiter, in jeder Phase hörbar, sprechen Teenager wie ältere Hörer an, das Hitparadenpublikum genauso wie auch Menschen, die das sind, was man im Englischen sophisticated nennt und etwa den gepflegt intellektuell unterströmten Hedonismus in Zeilen wie "Che Guevara And Debussy To A Disco Beat" goutieren. Dementsprechend mischten sich im Gasometer sehr junge Besucherinnen und Besucher über Best Ager bis zu bereits recht reifen Jahrgängen.

Dann ist zum anderen das immer anregende Styling ihrer Shows. Hinter den Akteuren - Tennant und Lowe werden im Lauf des Abends von einer Sängerin, einem Perkussionisten und einem zusätzlichen Keyboarder, der fallweise auch Gitarre spielt, begleitet - liefen auf einem Videoscreen Grafiken mit Großstadtszenen, Industrial-Appeal, Raffinessen der Geometrie und jeder Menge Licht- und Farbenspiele. Besonders eindrücklich war ein Aufmarsch von Strichmännchen, die sich vervielfältigten und zu kunstvollen Figuren verästelten, und, bei der letzten Zugabe "Being Boring", sich nähernde und entfernende Reihen von Straßenleuchten vor schlichtem Schwarz/Weiß-Hintergrund. Bei "What Have I Done To Deserve This" wand sich Tennant im Duett mit der Background-Sängerin um Straßenlaternen.

Ein Eyecatcher bei PSB-Konzerten ist immer auch die Gewandung der Protagonisten: Tennant und Lowe kamen mit hohen Gesichtsmasken und langen weißen Mänteln, die ihnen so was Ähnliches wie Hohepriester-Aura verliehen, auf die Bühne. In der Folge warf sich Tennant in Entertainer-Kluft, einen weithin glänzenden Mantel aus Lack oder Leder und am Ende in einen schlichten schwarzen Existenzialisten-Mantel, während sein Partner Lowe toughen Straßen-Look zur Schau stellte.

Beeindruckende Hits

Und selbstverständlich hielt das Repertoire, was es versprach: Alles, was von den Pet Shop Boys irgendwann einmal die britischen, kontinentaleuropäischen und fallweise auch US-amerikanischen Hitparaden in führender oder oberer Position heimgesucht hat - und das ist bekanntlich nicht wenig -, war vertreten: Vom Opener "Suburbia" über "Opportunities", "Se a vida é", "Rent", "Domino Dancing", die besonders frenetisch akklamierte Coverversion von "Always On My Mind", "It’s A Sin" (in höllenroter Bühnenbeleuchtung) oder "Left To My Own Devices" bis zu "West End Girls" und den schon Erwähnten.

Gleichwohl waren es eher Hits aus der zweiten Reihe, die an diesem Abend besonders beeindruckend gegeben wurden: "New York City Boy" als ordentliches Disco-Hammerl etwa, ein intensives "Jealousy" oder das bittere, gleichzeitig aber melodisch ungemein schwelgerische "You Only Tell Me You Love Me When You’re Drunk", für das Tennant erstmals seit ewig und drei Tagen wieder eine Akustik-Gitarre zur Brust nahm.



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