Zwei Fragen stellten sich im Vorfeld zum "The Smile"-Konzert in Wien. Erstens: Braucht eine Band wie Radiohead, die sich ohnehin seit Jahren stets neu erfindet, ein Spin-Off – noch dazu mit größtenteils gleicher Besetzung? Und zweitens: Wird es wirklich etwas ganz Anderes und Neues?

Am Dienstagabend im Wiener Gasometer beim zweiten Stopp der aktuell laufenden Tour sollte es die Antworten auf diese Fragen geben. "The Smile" sind Thom Yorke und Johnny Greenwood (die gemeinsam mit Colin Greenwood, Ed O’Brien – Gitarre, Backgroundvocals, – und Phil Selway seit 1985 als Radiohead reüssieren) und der umtriebige Jazzschlagzeuger Tom Skinner, bekannt unter anderem aus der Band "Sons of Kemet". Zum Bandnamen befragt, hieß es, dass man dabei weder an ein Lachen à la Haha, noch ein verliebtes oder freundliches Lächeln dachte, sondern an eines der Täuschung. Ein verlogenes, kurz bevor man seinem Widersacher in den Rücken sticht.

Schon seit vergangenem Jahr geistern The Smile durch den Musikzirkus. Zunächst gab es beim legendären Glastonbury Festival in England ein überraschendes Liveset, bevor Anfang 2022 die ersten Singles veröffentlicht wurden. Die aktuell laufende Tour begleitet das vergangene Woche erschienene Debütalbum "A Light For Attracting Attention". Letztlich stürzte sich das Trio in ein aus den 13 Stücken des neuen Albums gezimmertes Set, das mit recht typischen Mustern ausgestattet war: Im zu Beginn gesetzten "Pana-vision" überzeugte Yorke mit fragilem Klavierspiel und Gesang, bevor er für "The Smoke" zum Bass griff und einen unwiderstehlichen Groove in die Halle stellte. Dass das fröhliche Instrument-wechsel-dich-Spiel nicht immer zum Vorteil der Nummern aufging, musste man bei "Speech Bubbles" erfahren, für das Greenwood zwar Piano und Harfe gleichzeitig bearbeitete, das zarte Stück aber in einem Soundbrei unterzugehen drohte. Regelmäßige Gasometer-Besucher wissen um die, nun ja, eigenwillige Soundästhetik dieser Location sicherlich Bescheid.

Friend of a friend in another Band

Nach ziemlich genau einer Stunde und dem punkigen "You Will Never Work In Television Again" als lautstarkem Schlusspunkt war das reguläre Set vorbei und verließen Yorke und Co die Bühne unter dem Jubel ihrer Fans, um nur wenig später mit drei Zugaben im Gepäck zurückzukommen. Darunter das erst kürzlich fertiggestellte "Friend of a Friend".

Am Ende kann man also beide Fragen getrost mit "Nein" beantworten. Es hat weder eines neuen Ablegers bedurft, noch gab es wahrlich Neues zu hören. Alles war fein und gut. Irgendwie wollte man dann doch noch die großen Radiohead-Hits hören. Eine Gruppe mit Thom Yorke mit der er "Creep" singt, das wäre fein. Aber gut. War es die Coronazeit, wollte der Rest von Radiohead einfach einmal eine Pause haben oder dachten sich "The Smile" wir machen einfach einmal, was wir wollen? Den Zuhörern gefiel es, das ist das Wichtigste. Und wer weiß, es gab schon einmal eine Band, die den Namen "Smile" trug, aus dieser wurde "Queen". Vielleicht sollte man das Spin-Off vom aktuellen "The Smile" im Auge behalten. Das Fazit: Man bekommt Thom Yorke aus Radiohead, aber man bekommt Radiohead nicht aus Thom Yorke.