Auf dem Albumcover springt der Champion höchstpersönlich durch zwei von Kurt Razelli gehaltene Feuerreifen, während drei dressierte Löwen im Hintergrund auf Hockern posieren und sich ein Schimpanse unter dem Tisch selbst Zucker gibt - er verwendet dafür, äußerst frei nach einem beliebten alten Gstanzl mit Ursprung Hoamatland, eine Art Opium-Pfeife ("Kent’s eich a Pfeifferl o, wer’s raugga ko!").

In Dosen abgefüllte Kaltgetränke auf Hopfenbasis wiederum bezeugen das Doping der menschlichen Artisten, die mitunter ein ganz anderer Affe laust ("Der Affe Waas-i-eh" heißt eines der neuen Stücke). In die Manege wird es auf dem Album selbst aber nicht gehen. Eher entführt uns "Life Is Laff" mit seinen zwölf neuesten Weltscheiben in das Reich der Entertainmentbranche, von der böse Zungen behaupten, sie sei der schlimmste Zirkus von allen.

Auf ein Packl gehaut

Kurt Razelli ist für seine Video-Mashups und Remixes mit einmal mehr ("General Stronach Song") und einmal weniger Polithintergrund ("Donauinsel"!!) als Enigma mit Arnold-Schwarzenegger-Maske aus dem Internet im Allgemeinen und der Bewegtbildplattform YouTube im Speziellen bekannt. Über den Austrofred muss ohnehin kein Wort mehr verloren werden. Die wichtigste, beste und einzige je aus Waldneukirchen in Oberösterreich zu uns ins Bierzelt herabgestiegene Austropopvariante von Freddie Mercury spielt vom ganzen Ding her in einer eigenen Liga. Manche begrüßen den Mann daher mit "Legende!", nur ein paar Depperte checken es manchmal nicht gleich und stellen sich mit "Führerschein und Zulassungspapiere!" bei ihm vor. Nachher immer das gleiche, sprich Autogrammstunde und "das tut uns jetzt wirklich sehr leid".

Kiwarei hin oder her, erstmals haben es die beiden heimischen Unterhaltungskoryphäen jetzt geschafft, ihr Ego ein wenig zu zügeln und sich gemeinsam auf ein Packl zu hauen. Zu zweit ist es nicht nur erheblich einfacher, doppelt so deppert zu sein. Man kann gerade als weit über die Bezirksgrenze von Steyr hinaus bekannter Showgigant vom nächsten locker aus der Hüfte geschobenen Nebenprojekt schon auch erwarten, dass sich davon ein neuer Benziner ausgeht, der mehr als ein Dacia ist.

Austrofred-Fans müssen jetzt allerdings stark sein, weil pssst: Der Champion hat diesmal nur die Texte geschrieben. Ma, he! Als Genie hackelst du halt nicht rund um die Uhr und weißt, was Worte wie "delegieren" oder meinetwegen auch "Teamplayer" bedeuten. Sie bedeuten, dass den ganzen restlichen Schas bitte wer anderer macht - und dass du dich als Austrofred ganz auf die Essenz konzentrierst, also auf das Schmähführen und die Kontoauszüge.

Aerobicbeats mit Schweißband

Die Musik von Kurt Razelli jedenfalls bewegt sich auf "Life Is Laff" recht schneidig-schnittig zwischen Aerobicbeats mit Schweißband, zärtlich kreischenden Gitarren und an Meat Loaf geschulten Stromrockriffs ohne mangelndes Selbstvertrauen oder Genierer. Dazwischen hört man aber auch so etwas wie ordentliche Einedraha-Hits ("Seelenverwandt") oder die Austrofred-Variante alter großer Schlachtrossballaden wie "My Way", Stichwort: Ich habe es gelebt, ich habe es überlebt und jetzt her mit den Standing Ovations, ihr Wappler!

Austrofred läuft diesbezüglich mit einem neuen Song namens "Ins Liacht" zur Hochform auf. Mit "Schlof schee" ist aber auch eine weitere mit persönlicher Note gegebene Bekenntnisnummer aus dem Innersten Inneren des Alleinunterhaltergewerbes dabei, die nur unzureichend als Lullaby getarnt wurde: "Schlof schee, siasse Maus / Schlof schee, da Papa ist net z’Haus / Weil da Papa is in da Provinz / In am Tanzlokal Nähe Linz ..." Und bei "Tupperparty Girl" mit seinem spitzen Autotune-Genudel dürfte es sich ohnehin um einen der besseren Songs von Bilderbuch handeln, den Bilderbuch zuletzt nicht geschrieben haben. So hat man den Austrofred jedenfalls noch nicht gehört.

Dass der Champion kein Mann halber Sachen ist, ist bekannt. Stücke wie "Bottle" setzen dem bewährten Gipfelsturm jetzt aber die Krone auf: "I wü ka Achterl / I wü ka Viertal / Weil i bin ka zufriedener Trottel / Ich wü die gonze Bottle / I! Wü! Ois!!" Immerhin hält das echte Leben neben Erniedrigungen ("Bratislava Airport") und leider zunehmend auch finanziellen Enttäuschungen ("Spoan to be alive" - es wird dann doch ein Dacia werden!) jederzeit die eine oder andere Watschn bereit.

Neue Landeshymne

Austrofred und Kurt Razelli erzählen mit "Vom Faustkeil zum Laser" außerdem noch über die Evolution des Menschen und die damit zumindest im Hoamatland unmittelbar verbundene Kulturgeschichte des Bratls. Dafür, dass sie dem Land ob der Enns mit der ersten Vorab-Single, einer Tour de Force und musikalischen Hoamatroas zwischen Aquapulco Bad Schallerbach und Plus City Pasching, endlich eine würdige Landeshymne geschrieben haben, sollte ihnen vom Landesvater aufwärts ohnehin nichts als Dank sicher sein.

Die USA haben ihren "Star-Spangled Banner", Oberösterreich hat jetzt "VÖEST": "Verstreut’s mei Oschn üba die Donau und üba die Enns / Verstreut sie über Vorwärts Steyr und an der tschechischen Grenz’ / Mischt’s mei Oschn in eian Most, in eia Zipfer Bier / Verpickt’s mit meina Oschn dem Bruckner sei Klavier." Hand aufs Herz!