Die 1986 in London geborene Sängerin und Songwriterin Florence Welch machte nie einen Hehl aus ihrer Vorliebe für exzentrische Stilmixturen, bombastische Klänge und theatralische Gesten. Auf ihrem fünften Studioalbum, "Dance Fever", gelingt ihr der Spagat zwischen Mainstream- und Indiepop so perfekt wie noch nie. Dem Produzentenduo Jack Antonoff und Dave Bayley (Glass Animals) gelang es, den mitunter maßlosen Überwältigungspop gekonnt zurechtzustutzen und Welchs ausdrucksstarke und wandlungsfähige Stimme in ein fein abgestimmtes Soundkleid aus Pop-, Disco-, Indie- und Soulklängen zu betten.

Geradezu zwingend schleichen sich die tanzbaren Grooves einiger Songs vom Ohr unmittelbar in die Beine, während dunkel grundierte Stücke mit viel Atmosphäre und großer Intensität gefallen. "Dance Fever" löst mit seinem unverhohlen popaffinen Sound und seinen schmissigen Melodien in seinen besten Momenten pure Freude aus. Auch weil Florence Welch trotz großem Glamour-Faktor - sie präsentiert sich weiterhin sehr extrovertiert mit viel Prunk und Pomp in wallenden Kleidern und festlichem Ambiente - ihr Erscheinungsbild stets mit einem Schuss Punkette-Ironie würzt.

"Dance Fever" imponiert als musikalisches Manifest einer selbstbewussten 35-jährigen Frau mit Mut zu Originalität und Selbstbehauptung. Die vierzehn in den vergangenen zwei Pandemie-Jahren geschriebenen und aufgenommenen Songs changieren zwischen Ekstase und Innehalten und thematisieren Frauenbilder, Geschlechterrollen, Schreibblockaden, kollektive Gefühle und Unabhängigkeitsbestrebungen. Der stilistische Bogen reicht von triumphalen Pophymnen über hibbelige Dancefloor-Songs bis zu Midtempo-Tracks, die mit Fleetwood-Mac- und Kate-Bush-Referenzen glänzen.

Die stimmgewaltige Sängerin ist in allen Tonlagen zu Hause und lässt sich nicht gerne in Schubladen stecken. Florence Welch ist nicht nur eine Frau, die weiß, was sie will, sondern auch eine Künstlerin, die macht, was sie will: "I am no mother, I am no bride, I am king."