Gäbe es im Jazz eine Kleiderordnung wie im Karate, trügen Georg Vogel, Andreas Waelti und Michael Prowaznik vermutlich schwarze Gürtel. Das hat nicht nur mit ihrer Virtuosität zu tun. Das heimische Trio, das unter dem Namen Tree firmiert, besticht ebenso durch die Komplexität seiner Musik. Die acht Stücke des neuen Albums, alle deutlich über der Fünf-Minuten-Grenze angesiedelt, strotzen nur so vor Raffinesse.

Das soll nicht heißen, dieser Jazz schwebe abgehoben über dem Boden der Tradition. Er ist längeren Walking-Bass-Strecken nicht abgeneigt, lässt hier und da auch ein paar Vokabeln aus dem Mainstream aufblitzen. Gleichwohl sind die Themen dieses nächtlichen, elegischen Jazz von abstrakten Linien geprägt, die Rhythmen neigen zu rätselhaften Vexierspielen.

In den langen Improvisationsstrecken erweist sich Georg Vogel als Ein-Mann-Universum am Klavier: Mal formt er seine Akkorde mit der Bedächtigkeit eines Bildhauers, mal entstößt er sich flinke Linien, mal beschwört er herbe Atonalität oder wechselt (bruchlos) zu freundlichen Harmonien. Andreas Waelti und Michael Prowaznik assistieren dabei nicht am (klangschönen) Kontrabass und Schlagzeug, sondern interagieren auf Augenhöhe, was dieser Musik, bei allem Hirnschmalz, die Qualität eines Klangabenteuers verleiht.