Jeder ist bekifft, alles kaputt: "Défoncé". Wie in Trance wird das Wort wiederholt, als handle es sich um einen abzuschüttelnden Traum. So beginnt das erste Soloalbum von Brezel Göring nach dem Tod von Françoise Cactus (1964-2021) und dem Ende von Stereo Total lethargisch und fragil. In der folgenden Psychoanalyse taumelt sich Göring durch den deutschen Sprechgesang, wobei er sich mal mit jenen von Richard Freiherr von Krafft-Ebing beschriebenen Perversionen identifiziert ("Psychopathia Sexualis"), mal lakonisch zur Zerstörung auffordert ("Hol Dynamit").

Görings Album handelt jedoch eigentlich von der Liebe, deren Chiffren Drogen und Suchtthemen sind. In der Trauerarbeit "Psychoanalyse" singt die auferstandene Cactus mit Göring im Duett, ein kurzes Aufblitzen des Stereo-Total-Esprits, umgeben von ansonsten melancholischen Klängen. Dabei gibt es äußerst charmante Momente, so etwa bei "Opel Kapitän" oder "Am Ende", vielleicht einem der schönsten-schrägen Songs der letzten Jahre, in dem es heißt: "Das süße Gefühl von Vergeblichkeit erfüllt mich mit Wehmut und Bitterkeit." Ja, Françoise, wir vermissen dich schmerzlich!