Es war zwar nie wirklich weg, dennoch lässt sich heuer sagen: Das Wiener Popfest ist zurück - und zwar an seinem angestammten Austragungsort, dem Karlsplatz. Nach zwei pandemiebedingt reduzierten Ausgaben wartet die 13. Festivalauflage von 28. bis 31. Juli mit mehr als 50 Acts und teils neuen Locations auf. Die Eröffnung auf der zentralen Seebühne bestreiten Kerosin95, Euroteuro, Friedberg und W1ZE.

"Wir sind froh, dass es endlich soweit ist", betonte Andreas Spechtl bei der Programmpräsentation am Donnerstag. Der Musiker von Ja, Panik und Buchautor zeichnet gemeinsam mit Musikjournalistin und DJ Dalia Ahmed für die diesjährige Kuratierung verantwortlich. "Uns ist alles gleich wichtig. Es hat viel Spaß gemacht, das Programm zu erdenken", wollte Ahmed niemanden hervorgehoben wissen. Stilistisch deckt das Duo jedenfalls eine gehörige Bandbreite ab, von Pop über Hip-Hop und elektronischen Sounds bis zu Avantgarde und Punk dürfte für jeden etwas dabei sein. Gesetzt wird dabei wie üblich ganz auf die heimische Szene.

Wiener Seebühne

Traditionell steht die große Seebühne direkt vor der Karlskirche im Mittelpunkt: Neben trashig-humorigem Pop von Euroteuro und zeitgenössischem Pop der Newcomerin W1ZE, die dort unter anderem am 28. Juli zu erleben sind, werden in den folgenden Tagen auch Rapfreunde bei Crack Ignaz und Ebow glücklich (29. Juli), während Dives und Clara Luzia eher der Gitarrenfraktion zuzurechnen sind (30. Juli). Am Abschlusstag wechselt man schließlich in die Kirche: Die Wiener Sängerin Sophia Blenda wird dort ihr mit Spannung erwartetes Solodebüt "Die Neue Heiterkeit" vorstellen, Rojin Sharafi und Dagmar Schürrer führen eine eigens konzipierte audiovisuelle Arbeit auf. Den lärmenden Schlusspunkt setzt dann Tausendsassa Cid Rim.

Rund um diesen zentralen Strang gruppieren sich Tag für Tag unterschiedlichste Reize: Im heuer erstmals bespielten Club U gibt es installative Werke ("To Speak and To Thrive and To Live" von Tonica Hunter) ebenso wie Synthesizer- und Tontechnik-Workshops, einen Diskussionsnachmittag zu Cancel Culture und nicht-binären Pop oder nächtliche Clubbings, während die ebenfalls neu hinzugestoßene Künstlerhaus Factory zum Schauplatz live aufgenommener und auf Vinyl gepresster Sessions wird. Diese werden etwa von Farce oder Katharina Ernst mit befreundeten Künstlerinnen und Künstlern bestritten. Die Vinyl-Unikate wird es auch zu erstehen geben.

Open-Air-Soundsysteme

Am Karlsplatz soll neben der Seebühne auch ein neues Open-Air-Soundsystem für Stimmung sorgen, das von verschiedenen Kollektiven bespielt wird. Wolfgang Möstl stellt wiederum sein Ambientprojekt Voyage Futur vor, mit dem er an drei Tagen Pop-Up-Konzerte an noch zu bestimmenden Plätzen spielen wird. Und die nahe gelegene TU mutiert nächstens zur Konzert- und Partylocation, wenn im Prechtlsaal und Ella Briggs Saal so unterschiedliche Acts wie Jung an Tagen, Radian, Zinn, Kenji Araki oder Brenk Sinatra für in die Beine fahrende Sounds sorgen.

"Es waren schwere Zeiten, aber wir sind noch immer zusammen", blickte Festivalleiter Christoph Möderndorfer zurück und sprach dem gesamten Team seinen Dank aus. Auch über die Rückkehr an den Karlsplatz zeigte er sich erfreut. "Das ist für uns ein fantastischer Ort und ein wichtiger Erfahrungsort für junge Menschen, besonders auch in der Pandemie. Es braucht so einen Raum für die junge Generation, der zwang- und hierarchiefrei funktioniert." Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) strich wiederum die Bedeutung des Festivals, das bei freiem Eintritt für alle zugänglich ist, hervor. "Das ist auch ein Bekenntnis der Stadt, um diese Teilhabe zu ermöglichen." (apa)