Dass Hiromi Uehara, kurz: Hiromi unter den Lockdowns besonders gelitten hat, darf man getrost glauben. Die Japanerin Jahrgang 1979 ist nicht nur von Berufs wegen auf das Konzertwesen angewiesen. Als Jazzpianistin ist sie mit den Energien eines Duracell-Hasen gesegnet und scheint dazu geboren, diese Ressourcen auf der Bühne verschwenderisch zu veräußern. Dabei erreicht sie die pianistischen Höchstgeschwindigkeiten eines Lang Lang und treibt einen Stilpluralismus auf die Spitze, der auch Ragtime und Swing aufgreift, vor allem aber das Vokabular eines gemäßigten Modern Jazz nutzt und an den Gipfelpunkten ekstatischer Soli atonale Pfefferakkorde einstreut. Kurz: Hiromi ist nicht für die stille Kammer geschaffen.

Die erzwungene Zeit in ebendieser verbrachte sie damit, sich musikalisch bereits ins Rampenlicht zurückzuträumen: "Silver Lining" (Lichtblick), komponiert für die eigenen Virtuosenhände und Streichquartett, beginnt als Selbstporträt im Lockdown und mündet in ein hoffnungsfrohes Happyend.

Die Suite, am Donnerstag nun live im Konzerthaus zu erleben, leidet aber an der Zwiespältigkeit ähnlicher Crossover-Projekte: Trotz gegenteiliger Beteuerungen bilden die Streicher eine Klangkulisse, vor der Hiromi eher isoliert agiert. Zudem schwankt das Qualitätsniveau der Partitur: Erinnert sie beizeiten an freundlichen Filmmusikjazz von Dave Grusin, badet der Abend bisweilen im banalen Schmalz der "Neoklassik". Sei’s drum: Hiromis Klavierspiel, fröhlich, flirrend und dauerbetriebsam, ist auch in diesem Kontext eine Ohrenweide und hält das euphorische und (erstaunlich) zahlreiche Publikum trotz Kaiserwetter bis nach 21 Uhr im Saal.