Trotz seiner ungeheuren Produktivität - "Reggae Film Star" ist das mittlerweile 18. Album des Singer-Songwriters Damien Jurado - gehen dem menschenfreundlichen Mystiker mit dem Goldglanz in der Stimme die (Song-)Ideen nie aus. Auf seinem aktuellen Album - ein Filmset dient dem 49-Jährigen als inhaltliche Klammer - verknüpft der Musiker aus Seattle vergilbte Erinnerungen und in Sepiafarben getauchte Anekdoten zu assoziativen Bilderwelten, die von Glück, Leid, Trost, Schönheit und Welterkenntnis erzählen.

Mit einer Spielzeit von lediglich 35 Minuten bei zwölf Songs erweist sich "Reggae Film Star" als beeindruckendes musikalisches Dokument eines auf das Essenzielle reduzierten Sounds. In Zusammenarbeit mit seinem Produzenten Josh Gordon perfektioniert der versierte Musiker hier seine Idee von Folkmusik: Akustikgitarren, schwelgerische Streicherklänge, dezentes Schlagzeug und da und dort ein wenig Klavier bilden die Basis für seine sanfte und zugleich eindringliche Gesangsstimme, mit der es Jurado gelingt, emotionale Tiefe, fragile Zärtlichkeit und Dringlichkeit unter einen Hut zu bringen.

Fragile Balladen ("Roger", "Meeting Eddie Smith", "Whatever Happened To Paul Sand") stehen neben Songs, die mit ihrer Sixties-Folk-Affinität Dringlichkeit und Intimität auf stimmige Weise zusammenführen ("Day Of The Robot", "Ready For My Close Up"). Der Songwriter überzeugt dabei mit Stilsicherheit und menschenfreundlicher Grundhaltung. Seine Erinnerungsarbeit betreibt Jurado mit Verve und Finesse, und sie zeitigt immer wieder faszinierende Ergebnisse.

Mit "Reggae Film Star" ist Damien Jurado ein auf den Spuren von Nick Drake und Tim Hardin wandelndes virtuoses Folkrock-Kunstwerk gelungen, das von der evokativen Kraft seiner Songs lebt und textliche Komplexität und kompositorische Meisterschaft verknüpft. Der US-Musiker gehört somit zum kleinen Kreis jener Singer-Songwriter, die mit ihrer ganz originären Perspektive auf die Welt und ihre Bewohner blicken und ihr vor Schönheit funkelnde Songs abringen.