Die plumpste Art, alten Klassikwein in neue Schläuche zu gießen, hat wohl Walter Murphy 1976 vorgeführt: Man nehme einen Discobeat, ergänze ihn um ein paar weitere Gimmicks aus dem Stil-Universum des Saturday Night Fever, lasse dazu das "Tatatata!" von Ludwig Van donnern - und schon ist er fertig, der Dancefloor-Erfolg "A Fifth Of Beethoven".

Das Jazztrio Vein ist ein leuchtendes Beispiel für eine gegenteilige Herangehensweise: Die Band aus Basel wendet sich auf dem Album "Our Roots" ihren Lieblingskomponisten zu und greift im Zuge dessen ebenfalls die bewusste Fünfte auf. Das "Tatatata" dient hier aber nur als Startrampe für labyrinthische Rhythmen und kühne Harmonienfolgen; Beethovens Kernelement, die kleine Terz, geht dabei überraschende neue Wege.

Auch ansonsten neigt dieses Album zur Sophistikation: Vein verbeugen sich vor allem vor Ikonen der Moderne wie Skrjabin und Bartók und denken deren Wagnisse in gefinkelten, oft auch recht abstrakten Improvisationen weiter. Pianist Michael Arbenz produziert bisweilen so etwas wie Sheets of Sound, Zwillingsbruder Florian neigt zu einem kantig-komplexen Schlagzeugspiel und Thomas Lähns verblüfft mit seinen expressiven, gestrichenen Kontrabass-Soli. Ein forderndes, aber auch lohnendes Hörabenteuer.