Bis heute hat sich an den Geschlechter-Vorurteilen in der Jazz-Szene wenig geändert: Wenn eine Frau auf die Bühne geht, muss das wohl die Sängerin sein.

Barbara Thompson widersprach diesem Stereotyp schon, als der Feminismus in den Kinderschuhen steckte: Die Frau aus Oxford machte ab den 70er Jahren in England als Saxofonistin von sich reden, und sie arbeitete noch dazu bevorzugt im Fach des Jazzrock, der besonders stark nach Männerschweiß roch.

Begeistert von einem Saxofon-Solo bei einem Duke-Ellington-Konzert, hatte sich Thompson das Instrument selbst erarbeitet und an der damals noch saxofonlosen Universität Klarinette, Flöte und Klavier gelernt. Nachdem sie sich in der Musikszene etabliert hatte, gründete Thompson ihre Band Paraphernalia, kollaborierte aber auch immer wieder mit anderen: Sie stellte ihr Horn regelmäßig in den Dienst der Band Colosseum, gehörte auch der Formation United Jazz + Rock Ensemble an, einer Supergroup europäischer Genregrößen. Nach einer Parkinson-Diagnose beendete die zweifache Mutter Anfang der Nullerjahre ihre Bühnentätigkeit, konnte dank eines neuen Medikaments aber ein Comeback feiern. Am vorigen Wochenende ist Thompson mit 77 Jahren verstorben.(irr)