Mick Jagger mit 78 Jahren wird er zwar nicht mehr überholen, aber Günther Sigl ist heuer im Februar immerhin 75 Jahre alt geworden. Günther wer? Das ist der Sänger der Spider Murphy Gang. Spätestens jetzt tauchen in den Köpfen von Menschen jenseits von 50 Jahren Erinnerungen an die Neue Deutsche Welle und einen "Skandal im Sperrbezirk" Anfang der 1980er Jahre auf. Weit mehr als eine Tausendschaft frischte das Gedächtnis am Sonntagabend bei einem Liveauftritt auf. Bei Jagger und den Rolling Stones bildete das Happel-Stadion im Wiener Prater die Bühne für die Oldies. Bei der Spider Murphy Gang war es ein Rock'n'Roll-Festival in Bad Sauerbrunn im Burgenland.

Es ist original bayrischer Rock'n'Roll, der von der Formation aus München den Besuchern im Kurpark geboten wird und besser wirkt als jeder Herzschrittmacher. Mit "Stopp, Stopp, i muass nach Schwabing" wurde etwa das Idol Chuck Berry gebührend gewürdigt. Der gelernte Bankkaufmann Sigl hat die Spider Murphy Band 1977 mitten am Höhepunkt der Disco-Welle gegründet. Anfangs spielte man vor einem halben Dutzend Zuhörern, bevor mit "Schickeria" und vor allem dem stapfenden "Skandal um Rosi" der Höhenflug in den Hithimmel passierte. Von der damaligen Originalbesetzung ist noch der ebenfalls schon 68-Jährige Gitarrist "Barnie Murphy", mit bürgerlichem Namen Gerhard Gmell, dabei, dessen Markenzeichen inzwischen wie früher bei Niki Lauda das rote Kapperl über dem schon schütteren Haar ist.

Kokettieren mit dem Alter

"Ja, san wenig Leit aus meim Jahrgang da", witzelt Sänger Günther Sigl, eine Art abgemagerte Reinkarnation des vor dem Tod aufgedunsenen Elvis. War es vor mehr als einem halben Jahrhundert das "Let me be your Teddybear" ist es nun das erdige "Mit'm Frosch im Hois und Schwammerl in de Knia" an die Angehimmelte. Seine Stimme ist mit 75 und ungezähltem "Skandal im Sperrbezirk" bei Konzerten noch immer kräftig. In Baden-Baden seien bei einem Auftritt in einem Seniorenheim sogar die Rollatoren geflogen, setzt er mit seinem Alter kokettierend fort. Beim folgenden "Radio, Radio" wackelt der knackige Po so mancher ergrauten oder auch erblondeten Dame wie einst beim Wedeln im Skikurs, als am Abend die Spider Murphy Gang im Radio lief.

Tanzboden befügelt die Band

Was bringt zwei Herren im Pensionsalter samt auch nicht mehr taufrischer Combo am Piano, am Saxofon und am Schlagzeug dazu, noch immer aufzutreten? Nicht vor Zig-Tausenden im Prater, sondern für "everybody in Sauerbrunn" im beschaulichen Burgenland? Es macht hörbar noch Freude. Speziell, dass es hier neben der Bühne auch einen Tanzboden gibt, auf denen Vertreter der Boomer-Generation eine heiße Sohle zum Rock'n'Roll hinlegen. Nach fast eindreiviertel Stunden hinterlässt die Gang zum Abschluss noch einmal ein Statement mit "Mia san bayrische Band."